Dort erwartet Sie „Der schönste Tag im Leben“. Doch Sie müssen sich beeilen. Denn dieser Liederabend steht nur noch morgen und am Sonntag auf dem Programm der Freilichtspiele.
Dominik Dittrich, der musikalische Leiter der Produktion, hat in der Regie von Intendant Christian Doll durch deutsches Pop-Liedergut geblättert, und daraus einen herrlich bunten Melodienstrauß gebunden. Den überreichen die drei Sängerinnen und vier Instrumentalisten aber nicht nur einfach so, sondern in eine fesselnde, rührende, komisch-witzige Performance gepackt, die sich an den Songs orientiert.
Der von Kati Kolb ausgestattete Spaß beginnt mit „Ein Lied von zwei Menschen“, weil es eigentlich um das Hochzeitsfest von Lisa und Philipp geht. Dafür probt die Band schon mal, denn wenn es gilt, soll alles reibungslos wie am Schnürchen klappen. Bis reibungslos liegt indes ein weiter Weg vor den liedreichen Sieben. Ganz biblisch herrscht am Anfang ein großes Tohuwabohu. Dieses Durcheinander geschieht allerdings schon planvoll, auch wenn „Du hast mir gerade noch gefehlt“ von „Purple Schulz“ durchaus anderes vermuten lässt. Katharina Kessler als Sandra versucht Ordnung zu schaffen, teilt dem Publikum mit, dass 200 Gäste auf das Brautpaar warten, das sicher bald eintreffen werde.
Gut, man wird die Hochzeiter nur einmal und das als Puppen sehen; doch das ist der zum Anlass wunderhübsch aufgemachten Projektmanagerin Steffi (Sheila Bluhm) letztlich egal. Entscheidend ist, dass die Musik klappt. Dafür garantiert letztlich Thommy an Piano und Gitarre. Dominik Dittrich ist mit allen musikalischen und schauspielerischen Wassern gewaschen. Und singen kann der Hall-erfahrene Kopf der Hamburger Band „Tante Polly“ auch noch.

Ganz hinten: Luca Seitz, Mitte v.l.n.r.: Dominik Dittrich, Benjamin Leibbrand, Ilona Christina Schulz, vorn li: Katharina Kessler, re.: Sheila Bluhm
Singen können sie übrigens alle, am besten die drei Frauen. Ilona Christina Schulz (die Gabi) ist unter anderem Bundespreisträgerin im Fach Chanson. Zwischendurch animiert sie das gerne zum Mitmachen bereite Publikum im Globe zu einer tiefenentspannenden Yogasession. Und Benjamin Leibbrand zu gemeinsamem Gesang. Den Liedzettel hat einem am Eingang schon die Gabi in die Hand gedrückt. Hat übrigens prima geklappt mit dem „oh-o, oh, oho, oh-o, oh, oho“. Niemand bleibt hier außen vor. Das ist schön. Steffi muss ihr vermeintliches Scheitern als Hochzeitsfestmanagerin (sie reißt sich die Perücke vom Kopf und die Bühnendekoration herunter) nicht dramatisch einsam durchleiden. „Ich liebe dich nicht“ (schroff intoniert der Tante Polly-Titel) gilt nicht für sie, weshalb sie „Tausend Tränen tief“ (Blumfeld) nicht weinen muss. Es gilt Herbert Grönemeyers Aufforderung „Halt mich“.
Lange zuvor hat es schon „ZOOM!“ (Klaus Lage) gemacht. Doch sollte man sich von diesem Momentum (aktuelles Schlagwort) nicht täuschen lassen. Ein Märchen aus „1001 Nacht“ ist die Ehe, in die die Liebe im Idealfall mündet, nie und nimmer. Das macht die Gabi in einer Hochzeitsansprache schonungslos deutlich. Nicht minder klar fällt Steffis Abrechnung mit Traum und Wirklichkeit ab. Zwei verbale – und kurz ernüchternde -Gegenpole zum schönsten Tag im Leben. Das „Kribbeln im Bauch“ (PE Werner) kann auch andere Ursachen haben.
Zurück zur Musik. Der gefragte Multiinstrumentalist Luca Seitz spielt den Schlagzeuger Rafa, Luca Genze (Giacomo) bedient den Bass nicht nur in Hall, und der freischaffende Kommunikations- und Mediendesigner Georg Leibbrand landet mit „Tante Polly“ regelmäßig auch auf der Theaterbühne. Alle zusammen bilden ein hochprofessionelles Ensemble, das man indes wie die guten Kumpels von nebenan empfindet. Ideal für einen „Lieblingsliebesliederabend“. Ja, „Tausendmal du“.
Info: Karten gibt’s unter Tel. 0791 751600 und karten@schwaebischhall.de
Wolfgang Nußbaumer
(30.08.2024)
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