Musik verbündet sich mit Raum und Licht

09. Aug. 2026

Die EKM-Jazzkonzerte in der Gmünder Johanniskirche sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Sie sind vom gleichen hohen Niveau geprägt wie die übrigen Konzerte. Deshalb verwundert es nicht, dass dieser besondere Ort Freitagabend wieder voll besetzt gewesen ist, um mit dem Olivia Trummer Trio das Zusammenspiel von Musik, Raum und Licht zu erleben.

     Passend zum Motto des Festivals hat sich die singende Pianistin Gedanken über die „Balance“ gemacht. Man brauche viel Geduld, um sie zu erlangen. Ob Olivia Trummer mit dem russischen Kontrabassisten Makar Novikov und dem israelischen Schlagzeuger Amir Bresler viel Geduld aufbringen musste, um dieses ausgewogene Programm zusammen zu stellen, wissen wir nicht. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Denn zu verfolgen, wie dieses Trio virtuos auf dem schmalen Grat zwischen verschiedenen musikalischen Genres balanciert ist, war ungemein spannend. Begegnet sind sich die Drei ohnehin auf Augenhöhe. Nicht nur, weil sie gleich groß sind, sondern weil sie sich auch technisch und interpretatorisch das Wasser reichen können.  

     Fast alle Stücke hat die grazile Frau selbst komponiert oder zumindest arrangiert. Wie „What the world needs now“ von Burt Bacharach, „My baby just cares for me“ von Walter Donaldson und zwei Interpretationen von Beethovenkompositionen. Gerade bei ihnen kommt ihr Rüstzeug als klassische Pianistin besonders gut zur Geltung. Anschlagskultur im Dienste sensiblen Hineinfühlens.

Das Trio von Olivia Trummer in Aktion in der Johanniskirche, umspielt vom Licht. (Fotos: Hartmut Hientzsch)

   Zu später Stunde hat das Trio sein Programm mit einem „Tagtraum“ mystisch verträumt eröffnet. Schon wenig später signalisieren vertrackte Rhythmen und Trummers Scatgesang ein genuines Jazz-Gen. Mit Musik kann man die Schwerkraft überwinden, erklärt sie. Wenn man so will, kann man die am Ende gut 90 Minuten dauernde Performance im Zustand der Schwerelosigkeit genießen. Zumindest ein Aspekt der Liebe, die sie in „Piece of love“ als Lösung und Ursprung vieler Probleme besingt.

    In die Liedermacherrolle schlüpft sie, als sie pfiffig und mit kritischem Unterton hinterfragt, was man mit „500 Millionen“ auf dem Konto machen könnte. Zuvor hat sie noch den zur derzeitigen Trockenheit passenden Song zum Besten gegeben: „Thirsty in the bathtub“ von ihrer 2022 erschienenen CD „For You“.

   Wie wichtig der Gleichgewichtssinn, die Balance ist, offenbart „Beethoven & beyond“. Sie beginnt klassisch, um dann den großen Meister nach allen Regeln der Kunst zusammen mit ihren beiden Mitstreitern zu verjazzen. Novikov verwandelt sein voluminöses Instrument in höchsten Lagen in eine melodienselige Geige und Amir Bresler rührt mit den Besen ein pikantes Percussionmenu zusammen. „Wie die Zeit vergeht“, singt Olivia Trummer. Mit ihr viel zu schnell. Doch dann legt sie einen Stopp ein. Das Trio verharrt in aller Stille. Die Sekunden fließen dahin. Und das Publikum spielt mit. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Bis die Frau am Flügel das Mysterium der Stille wieder aufhebt und den „Eternal dance“ anstimmt.

    Zwei Zugaben erklatscht sich das Publikum: „I’m Old Fashioned“ und quasi als Premiere „Anywhere“. Dieser Song ist noch auf keinem Tonträger zu hören. Olivia Trummers Dank gilt zum Schluss noch EKM-Intendant Klaus Stemmler für die Möglichkeit, hier auftreten zu dürfen. (Fotos: Hartmut Hientzsch) 

Wolfgang Nußbaumer     

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