Wenn die Lava in den Ohren glüht

25. Apr. 2025

   Der Dirigent hat mit dem vor 30 Jahren gegründeten Orchester einen Klangkörper geformt, der sein anspruchsvolles Jubiläumsprogramm mit Bravour meistert. Zwischen Brahms und Beethoven ein seltenes Harfenkonzert. Zu erleben als Auftakt einer viertägigen Tournee in der Stadtkirche Ellwangen.

   In allen drei Kompositionen kann der charismatische Orchesterleiter klanglich aus dem Vollen schöpfen. Schon Johannes Brahms hat in seine „Akademische Festouvertüre c-Moll op. 80“ alles an Instrumenten hineingepackt, was ein Klanggemälde fantastisch bunt machen kann. Feine Streicher und Flöten für die zarten Pastelle bis zum massiven Blechbläseraufgebot für das triumphale Finale des „Gaudeamus igitur“ fern aller Burschenherrlichkeit.

   In dem hohen barocken Kirchenraum kann sich der opulente Klang zwar gut entfalten; für das 1901 entstandene Harfenkonzert c-Moll der Französin Henriette Renié mit seiner perfekt ausgeklügelten Struktur hätte man sich jedoch eine eher trockene Akustik gewünscht. Dennoch ist das komplexe Spiel der jungen Harfenistin Magdalene Haller aus Aalen gegenüber der großen Philharmonie nicht ins Hintertreffen geraten. Zumal sie den 47 Saiten ihres Instruments mit gekonntem Pedaleinsatz einen markanten Sound entlockt.  Uwe Renz hat mit seinem klaren und in diesem Fall ausgefeilt behutsamen Dirigat die Balance in den drei Sätzen gewahrt.

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Die JPO in der Ellwanger Stadtkirche für das Harfenkonzert in kleinerer Besetzung.

 

   Schon im ersten Satz funktioniert das Wechselspiel zwischen Solistin und Orchester, zwischen flinken Läufen und Arpeggien und dem thematisch voranschreitenden Klangkörper tadellos. In einer vollkommen dienenden Funktion lässt das Orchester in seinen Klangteppich von der Solistin eine Fülle an kunstvoll beseelten Figuren weben. Der energiegeladene dritte Satz verweist mit seinen tänzerischen Rhythmen im Duktus bereits auf Beethovens „Siebte“. Ohne eine Zugabe lässt das Publikum Magdalene Haller nicht gehen.

   In der 7. Sinfonie A-Dur kann Uwe Renz mit seinem Orchester richtig Gas geben. Leinen los und volle Kraft voraus lautet das Motto. Doch bevor es mit fulminantem Melodien- und Rhythmenwirbel in den vier Sätzen zur Sache geht, erinnert der getragene Anfang an den grüblerischen Tonsetzer. Nochmals ein Innehalten in dem von schwermütigem Weltschmerz und zugleich unwiderstehlicher Melodik geprägten „Allegretto“. Vielleicht ein beabsichtigter Gegensatz, um die Spannung zu steigern.

   Fast eine Dreiviertelstunde lang tanzt das Ensemble dann auf dem kompositorischen Vulkan, dessen Feuer der Dirigent souverän unter Kontrolle hält. Ein bisschen Lava in die Ohren des Publikums in den nur zur Hälfte besetzten Bank- und Stuhlreihen darf es dennoch sein. Ganz großer Beifall.

   Info: Weitere Konzerte sind am Samstag, 20 Uhr, im CCS Schwäbisch Gmünd sowie am Sonntag, 27. April, 18 Uhr, in der Stadthalle Aalen.

 

Wolfgang Nußbaumer

(25.04.2025)        

    

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