Der Vortrag mit dem Titel „Jenisch diabra“ findet am Montag, 7. Oktober, 19.30 Uhr, Im Rathausaal in Unterkochen statt.
Die Geschichtsforschung hat bis heute kein klares Bild von einer Volksgruppe, die seit Beginn des 18. Jahrhunderts als die Jenischen bezeichnet werden. Die Jenischen waren Teil der Armutsgesellschaf-ten des ausgehenden Mittelalters bis hin zur Frühen Neuzeit. Sie lebten überwiegend auf der Straße, immer verfolgt und abgelehnt versuchten sie mit einfachen Handwerksarbeiten ihr Leben zu fristen.
Fachsenfeld als kleine Reichsunabhängige Ritterschaft wurde von den Freiherren Woellwarth regiert. Nach einer Hochzeit Ende des 16. Jahrunderts unter Hans Siegmund von Woellwarth erlebte sie in Folge des 30-jährigen Krieges im 18. Jahrhundert einen Niedergang. Die Herrschaft versuchte ab 1750 durch die Ansiedlung der Jenischen auf dem gerodeten Waldstück Pfannenstiel zu mehr Untertanen und damit zu mehr Einnahmen zu kommen. Die „Investition“ schlug fehl. Fachsenfeld erlebte eine 200 Jahre andauernde schwierige Zeit, die durch Armut, Hunger, Auswanderung, Schulden und dem gleichzeitigen Versuch, seinen Platz in der Gemeinschaft zu finden.
Seit 2014 erarbeitet sich unter der Anregung und Leitung von Eberhardt Looser eine Prokjektgruppe Fachsenfelder Heimatgeschichte diese Vergangenheit: Die Geschichte der Jenischen, die Besiedlung des Pfannenstiel, ihre Lebensgrundlagen, die Sprache der Jenischen, die Auswanderungen und den Arbeiterweg vom Pfannenstiel nach Attenhofen. Die Arbeit wurde in Fachsenfeld und weit darüber hinaus mit großer Unterstützung und Wohlwollen von der Bevölkerung begleitet.
Daraus ist 2017 ein erstes Buch entstanden, 2018 wurde der 6,7 km lange Arbeiterweg gekennzeichnet, und seit diesem Jahr arbeitet die Gruppe mit Energie an der Rettung des letzten Kolonistenhauses im Pfannenstiel, dem „Ottà Häusle“.
In seinem Vortrag will der ehemalige Verlagsleiter Eberhardt Looser diese Geschichte, die auch Teil seiner eigenen ist, aufarbeiten und versuchen, Verständnis für die Geschichte Fachsenfelds und seiner Menschen zu schaffen
pm
0 comments