Intensive Stunde der Besinnung

18. März 2025

   Es hat letztlich den Grundton für dieses Konzert mit dem von Thomas Haller an der Barockorgel begleiteten Geiger Robert Rülke und dem nicht minder vorzüglichen Klarinettisten Nikolaus Friedrich gesetzt. Nicht zu vergessen das großformatige Bild „Kreuzigung“ der Malerin Birgit Friedrich. In seiner Düsternis korrespondiert es mit der Klangsprache des Komponisten Wolfgang Rihm. Die Künstlerin hat es extra für dieses Konzert gemalt. Das Bild wird bis Ostern in der Johanneskirche zu sehen sein.

   Der Streicher eröffnet diese musikalischen Exerzitien mit der Mysterien-Sonate I d-Moll („Verkündigung“) aus den „Rosenkranzsonaten“ des barocken Komponisten und versierten Geigers Heinrich Ignaz Franz Biber. Auf eine klangliche Besonderheit weist Rülke hin; die Skordatur, eine abgeänderte Stimmung der Saiten. Weshalb der Interpret zwischendurch sein Instrument nachstimmen muss. Das Ergebnis ist jedenfalls eine klangschöne, virtuose Musik, die der Geiger mit seinem punktgenauen Spiel auch in der ebenfalls dreisätzigen Sonate X g-Moll („Kreuzigung“) zum Leuchten bringt. Solo interpretiert er zum Schluss die jubilierende Passagaglia der mit „Schutzengel“ überschriebenen Mysterien-Sonate XVI g-Moll.

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Sie haben den musikalischen Beitrag geleistet: (v.l.) Thomas Haller, Robert Rülke und Nikolaus Friedrich.

 

   In wahrlich hartem Gegensatz dazu stehen die „Vier Male“ für Klarinette solo des im vergangenen Jahr gestorbenen Komponisten Wolfgang Rihm. Eine gestalterische Herausforderung für den Interpreten und für die Hörgewohnheiten des Publikums. Es werde wohl „mitleiden“, hat Nikolaus Friedrich gewarnt. Tatsächlich schneidet der hohe Ton seiner Klarinette schmerzhaft laut durch den Raum.

   Ein bitterer Gesang, den er da anstimmt. Mit Höhen und Tiefen, fast hauchigem piano und brachialem crescendo in unmittelbarer Folge. Das Leiden wird im akustischen Hindernislauf mit seinen Schockelementen, die wie Nägel ins Fleisch des Gekreuzigten dringen, fast körperlich spürbar. Als der ehemalige Soloklarinettist am Orchester des Nationaltheaters Mannheim schließlich sein Instrument „sehr langsam, wie aus weiter Ferne“, so eine Satzbezeichnung, mit einem letzten Hauch von Ton verklingen lässt, ist man regelrecht erlöst. Und dennoch dankbar für dieses außerordentliche Hörerlebnis. 

 

Wolfgang Nußbaumer 

(18.03.2025)

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