Freilichtspiele trotzen Corona

29. Aug. 2020

   Hermann-Josef Pelgrim zeigte sich glücklich, dass trotz Coronapandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen ein ausgewogenes und künstlerisch überzeugendes Programm angeboten werden konnte. Es ist eine der bedeutendsten Spielzeiten für die Freilichtspiele, sie wird lange in Erinnerung bleiben. Dass es dem künstlerischen und technischen Team unter allen Sicherheitsvorschriften und den Einschränkungen im Platzangebot gelungen ist Aufführungen für ca. 14.000 Zuschauer zu zeigen, ist eine großartige Leistung. Die meisten Veranstaltungen waren ausverkauft, das Publikum war überaus dankbar, dass überhaupt gespielt werden konnte, und zugleich die Stücke von hohem künstlerischen Wert waren.

   Christian Doll verwies auf die tollen Bedingungen, die eine Spielzeit unter Coronabedingungen ermöglichen. Die Große Treppe ist eine der größten Freilichtbühnen überhaupt, der Marktplatz ist sehr weitläufig. So konnten die Abstandsregeln sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum sehr gut eingehalten werden. So bitter es ist, auf dem Platz nur 400 statt 1.500 Zuschauer zu haben, so sicher können diese aber sitzen. Das Neue Globe, erst seit einem Jahr eröffnet, konnte gar nicht bespielt werden. Aber die weitsichtige Planung des Theatergebäudes ermöglicht Vorstellungen Richtung Biergarten, die Bühne kann nach Außen geöffnet werden. Die technische Ausstattung, Licht und Ton, die Garderoben, das Foyer mit der Falstaff-Bar können innen wie außen genutzt werden. Die Zuschauer waren an Tischen platziert, wegen des sicheren Abstands, saßen aber auch besonders schön. Aus der Not geboren, ergaben sich ästhetisch reizvolle neue Zuschauerräume. 

   Kaum einem Theater ist es gelungen, in diesem Jahr nicht nur kleine Ersatzprogramme, sondern einen neuen, vollwertigen, vielfältigen Spielplan vorzustellen. In jedem Stück geht es auch thematisch um Distanz und Nähe, sei es, wie im Kinderstück, dass die beiden Figuren zu Beginn getrennt werden und erst am Schluss durch ein Wunder zusammenfinden, dass sie in der „Sommernacht“ vor Nähe zurückschrecken, oder dass sie, wie bei Marivaux‘ Spiel von Liebe und Zufall, die gesellschaftlichen Spielregeln der verfeinerten Distanz zelebrieren. So viele positive, ja enthusiastische Rückmeldungen wie in diesem Jahr gab es noch nie. Vom Publikum, das sich überrascht von der Qualität und Vielfalt der Inszenierungen zeigte, von den Hoteliers und den Gastronomen, die auf die zugereisten Gäste angewiesen sind. 

   Bis heute gingen auch ca. 20.000 € zweckgebundene Spenden ein, die all denen zugutekommen, die in diesem Jahr nicht engagiert werden konnten. Christian Doll dankt allen, die sich für die Freilichtspiele und das Ensemble engagieren. Großer Dank auch an die Stadt Schwäbisch Hall, an den Oberbürgermeister und das Kuratorium, die immer die Pläne unterstützt haben, die Saison nicht komplett abzusagen, sondern an eine Möglichkeit geglaubt haben, doch noch zu spielen und bereit waren, das erhebliche finanzielle Risiko einzugehen. 

   Der übliche Ausblick auf das Winterprogramm entfiel, da jetzt noch nicht gesagt werden kann, ob die Entwicklung der Corona-Fallzahlen ein Spiel in Innenräumen erlaubt. Geplant sind Veranstaltungen ab Ende Oktober, in vier Wochen wird es dazu Mitteilungen geben. Auch der Spielplan Sommer 2021 kann noch nicht veröffentlicht werden. Sicher ist: Die Freilichtspiele werden stattfinden, unter welchen Bedingungen auch immer. Der Vorverkauf kann wahrscheinlich Ende November beginnen, das Publikum kann versichert sein, immer sicher zu sitzen, dass die Freilichtspiele sorgfältig die dann geltenden Regeln beachten werden.

pm

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