Eine Reise, die keine Grenzen kennt

23. Juli 2023

   Man kann sich ziellos treiben lassen und kommt trotzdem an. Doch wo? „Wie viele Koffer passen in ein Leben?“ Das ist die zentrale Frage in der Welturaufführung des poetischen Musicals „da!SEIN – El Viaje“.

   Es erzählt in 17 Episoden die Geschichte der persönlichen Begegnung zwischen der baskischen Schauspielerin und Sängerin Itziar Ituño, einem Netflix-Star, und dem Schwäbisch Gmünder Musiklehrer Marcus Englert. Er hatte sich mit dem Management der charismatischen Künstlerin in Verbindung gesetzt, fasziniert von deren Ausstrahlung.

   Viel Hoffnung, dass es zu einem Treffen kommen könne, hatte er nicht, als er in den Flieger ins Baskenland stieg. Doch sie hatte ihn schon erwartet. Und kaum angekommen, haben sie bereits zwei Stunden zusammen Musik gemacht. Entstanden ist das Lied „El Viaje – die Reise“. Es sollte im Januar 2021 die Initialzündung zu einem Projekt werden, das Grenzen überschreitend die Frieden stiftende Macht der Musik beschwört.

   Die Reise ins Ungewisse hat sich gelohnt. Diese Symbiose der Kulturen fesselt die zahlreichen Besucherinnen und Besucher in den Tischreihen und auf der neuen Tribüne 90 Minuten lang. Mit Wort, Musik und ihrer Schwester, dem Tanz. Traditionelle Elemente verbinden Amaia Elizaran und Gorka Duran in der Choreografie der künstlerischen Leiterin Agurtzane Intxaurraga leidenschaftlich mit zeitgenössischem Tanz. Visuell bekräftigt wird das Reisetagebuch mit Videosequenzen von Menschen, die unterwegs sind, auf einer großen Leinwand.

   Ganz in Weiß – und damit optisch hervorgehoben –  agieren Marcus Englert am Flügel und  Itziar Ituño. Sie ist eine begnadete Erzählerin, deren eindringlichen Stimme man gerne zuhört. Im Duo mit dem musikalischen Leiter und ihrer Akkordeon spielenden Landsfrau Janire Egaña erweist sie sich als begnadete Sängerin. Gleichberechtigte musikalische Partner sind das Alos-Quartett und dessen musikalischer Leiter Xabier Zeberio. Er setzt mit der im Klang an ein Blasinstrument erinnernden, aber mit dem Bogen gestrichenen Nyckelharpa einen besonderen klanglichen Akzent. Perkussionist Dominik Englert, der Gmünder Gitarrist und Sänger Jonas Schmid und der Baske Ivan Alzate am E-Bass komplettieren das Instrumentalensemble.

 

 

 

   Sie bewähren sich in einem atmosphärisch-sinnlichen Zusammenspiel als musikalische Reisebegleiter. Einige der Musiker treten noch ohne Instrument in Aktion. Sie bringen zu einem offenen Koffer, was man auf einer Reise brauchen könnte. Ein Taschentuch, um den Schweiß abzuwischen, Brot, ein Familienfoto für die Einsamkeit. Berührend, intim, privat, wie diese ganze Aufführung, die ganz leise verklingt, während die Schlossmauern mit einem farb- und formmächtigen Lichtzauber entmaterialisiert werden.

   Zu Beginn hatten das Trio „Hackberry“ mit flotten Rock- und Popklassikern und die junge Liedermacherin Maria Werner mit zu Herzen gehenden Eigenkompositionen das Publikum auf die „Reise“ eingestimmt, auf die es am späten Abend mitgenommen werden würde. Die erwartungsfrohe Menge begrüßend hat Stiftungsvorstand Landrat Dr. Joachim Bläse frohgemut betont: „Uns geht’s gut. Wir brauchen Mut und Gestaltungswillen.“ Diesem Motto schlossen sich Akademiedirektor Moritz von Woellwarth, der unter anderem seinem Schloss-Team herzlich dankte, und der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands der Musikschulen Baden-Württemberg, Bruno Seitz, an. 

Wolfgang Nußbaumer 

(22.07.2023)

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