Auch wenn Hans Söllner mit seiner Klampfe oben auf der Bühne sitzt, ist er mitten unter seinen Fans. Eine große Familie, in der tatsächlich Eintracht herrscht. Säße er im Publikum, würde der Mittsechziger in seinem grauen Sweatshirt und den hellblauen Jeans nicht auffallen. Vielleicht hätte er keine Bierflasche in der Hand, stattdessen ein bissel Hanf im Sack. Rauchen darf man nicht im Saal.
„Schade“ für den zwar in die Jahre gekommenen aber kein bisschen leiser gewordenen Anarchorebellen. „Denn mir geht’s einfach guad, wenn i kiff“, meint er trocken. Sein „homöopathisches Mittel“ vertreibe zudem für Stunden den Hunger. Vielleicht ist der Polterpoet deshalb so drahtig schlank.
Neben dem Politiker- und Großkotze aller Art zu „derblecken“ gilt dem Cannabis seine Passion. Darüber weiß der Bob Dylan fürs Grobe wundersame Geschichten zu erzählen, in denen Polizisten als belächelte Gegner als roter Faden dienen. Der Stoff, aus dem die Träume sind, hat ihn zu einer ganzen Reihe Lieder inspiriert, die gar nicht lustig sind. Natürlich stimmt Söllner seinen Klassiker von der „Edeltraut“ an, die „ein sauguats Gros obaut“ – und die Fanfamilie singt den Refrain lauthals und textsicher mit. Er bleibt die Ausnahme.
Ein Merkel-Fan ist der Mann, in dessen Gesicht das Auf und Ab eines bewegten Lebens seine Spuren gegraben hat, beileibe nicht. Für einen Satz lobt er sie jedoch ausdrücklich – und erntet spontanen Beifall, der einen zuversichtlich stimmt. 2015 hat die Kanzlerin angesichts der Flut von Geflüchteten gesagt: „Wir schaffen das – gemeinsam“. Das letzte Wort ist dem Söllner ganz wichtig. Hätte Europa gemeinsam gehandelt, hätten die Migranten ohne großen Aufwand eine neue Heimat finden können. „Hätte“, meint er bitter. Wo er recht hat, hat er recht.
„I schrei“, in dem der Barde die Massentierhaltung geißelt, eignet sich dann ebenso wenig zum fidelen Massenchor wie das schießwütige „Für unsara kloana Briada“. Ganz zu schweigen von der gegen den rhythmischen Strich gebürsteten nachtbitteren Gebrauchsanweisung für ein unfrohes Leben „Sosososo muast des mache“.
Der wortmächtige Bürgerschreck ist ein Dichter im Geiste des alten Franzosen François Villon und des begnadeten amerikanischen Gossenschreibers Charles Bukowski. Und ein feiner Kerl. Zum Schluss ruft er noch zu einer Spende für eine Organisation auf, die sich um die Opfer von Genitalverstümmelung kümmert. „Gib holt amol a bissl wos her“. Frenetischer Applaus.
Wolfgang Nußbaumer
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