Im „Nord“ nichts Neues

02. Feb. 2023

   Um anschließend in gleicher Reihenfolge wieder zu erlöschen. Die letzte mit einem dumpfen Paukenschlag. Ein guter Anfang für ein absurdes Theaterstück.

    „Picknick im Felde“ hat Paul Auls für den Abschluss seines Regiestudiums aus der Fülle der Texte des spanisch-französischen Schriftstellers Fernando Arrabal ausgewählt. Ein Stück, das die Absurdität der Welt mit einfachen Konstellationen auf den Punkt bringt. Einfach macht es dem Inszenator nicht automatisch leichter. Er muss deutlich sein, ohne zu übertreiben. Er muss den naiven Grundton wahren, um die surreale Obsession umso deutlicher herauszuschälen.

   Nach dem Lampenzauber platziert der Regisseur vor einer hellen Fläche im Bühnenhintergrund zwei Gestalten. Eine tritt nach vorne ins Feld, wo weiße Papierblumen, mit denen Felix Glawion die Spielfläche bestückt hat, als Symbole des Friedens sprießen. Der Mann hält einen überdimensionierten Paketbandroller wie ein Gewehr. Ein Telefon klingelt. Der Hörer wird dem Mann aus einer mit leuchtenden Neonröhren umrahmten schwarzen Fläche herausgereicht. Ein Hauptmann erteilt mit verzerrter Stimme unverständliche Befehle.

    Da steht er nun, der Soldat Zapo (Jonathan Fiebig) und muss erleben, wie seine Eltern plötzlich hereinschneien auf den Kriegsschauplatz, um ausgerechnet hier ihren Picknickkoffer auszupacken. Vater und Mutter sind Frauen; heute, da gleichgeschlechtliche Beziehungen gang und gäbe sind, gewiss kein absurder Aufreger mehr. Sie und alle anderen Akteure hat Raphael Jacobs uniform in hautignackte Hüllen gepackt.

   Das Paar beginnt zu tanzen, als der feindliche Soldat Zepo (David Smith) in die Szene platzt, prompt gefangengenommen und gefesselt wird. Mutter meint: „Man trifft so viele nette Menschen.“ Es ist ja auch Krieg (!) Was allerdings nicht bedeutet, dass ein Sanitäterpaar Verwundete versorgen könnte und deshalb frustriert wieder abzieht. Feind Zepo wird mittlerweile vom Elternpaar zum Freund erklärt und vom Vater (Tabea Mewis) von seinen Fesseln befreit.

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Dass sich die Mutter (Larissa Pfau) in den Finger geschnitten hat, zählt für die Sanitäter (Maksym Rudskyi und Rahel Stork) nicht als Verwundung.

 

   Wer will schon Krieg? Die Fragen und Dialoge kreisen total naiv um dieses Thema. Warum zum Beispiel „wollen uns die Feinde Kieselsteine in die Stiefel streuen?“ Zwischendurch kontrolliert Mutter (Larissa Pfau), ob ihr Sohn auch mit sauberen Fingernägeln Krieg führt. Ziemlich peinlich, wenn die eigene Mutter den staatserhaltenden Job nicht so richtig ernst nimmt. Aber da im Grunde niemand den Krieg will, zumal der Verdacht aufkeimt, dass die beiden Soldaten denselben Hauptmann haben, wird beschlossen, den Krieg zu beenden. Als plötzlich Fluglärm ertönt und eine Bombe explodiert. Über Krieg und Frieden wird offensichtlich an anderer Stelle entschieden. Was bleibt sind die weißen Blumen. Die Sanitäter (Maksym Rudskyi und Rahel Stork) pflücken sie gedankenverloren.

   So groß der Aufwand und das Spiel mit Symbolen, so gering der dramatische Ertrag. Ensemble und Inszenierung sind brav an der Oberfläche des Textes geblieben, ohne dessen absurde Dimension tragfähig spürbar zu machen. Das unglaublich Surreale ist ihnen einfach zu real geraten. 

     Info:  Das Stück wird Freitag und Samstag (zum letzten Mal) um 20 Uhr im „Nord“ nochmals gegeben.

Wolfgang Nußbaumer

(02.02.23)   

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