Melodische Juwelen

12. Nov. 2021

   Nach dem ersten Satz von Luigi Boccherinis Klaviertrio e-Moll reißt er diverse Fäden vom zerfledderten Spielgerät ab. Auf die Qualität des „Trios Opus 8“ beim Konzert des Ellwanger Kulturvereins „Stiftsbund“ zum 75jährigen Bestehen im Speratushaus hat sich das Bogendesaster indes nicht ausgewirkt.

   Michael Hauber am Klavier, Eckhard Fischer an der Violine und Mario de Secondi am Violoncello sind gute alte Bekannte beim „Stiftsbund“, wie dessen Musikkurator Hans-Ulrich Engel zu Beginn wissen lässt. Schon zwei Jahre nach seiner Gründung 1986 ist das Trio in Ellwangen aufgetreten, und hat auch beim 50. Geburtstag des Vereins den guten Ton angegeben.

   In der seltenen Gattung der Klaviertrios sind die drei Herren mittlerweile die Dinos. Was sie nicht daran hindert, im Wortsinne mit alter Frische ans Werk zu gehen. Der geschmeidige Boccherini mit seinem ausgeprägten Sinn für Wohlklang eignet sich vorzüglich, um Trio und Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. In Franz Schuberts Klaviertrio B-Dur op. 99 spinnen die Musiker den vielfarbigen Faden des Italieners zu einem dichten Gespinst an ausgeklügelter Melodik und Klängen weiter. Ihr Zusammenspiel wirkt völlig organisch. Das mag auch an den parallelen Oktaven liegen, mit denen vor allem das Klavier dominiert. Obwohl Michael Hauber sein pianistisches Temperament gut im Griff hat, kann er die akustische Dominanz des Flügels nicht ganz unterdrücken. Darunter leidet etwas der Cellist.

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   Vom Flügel angestimmt erweist sich das Andante als melodisches Juwel, das allerdings nicht pausenlos in harmonischer Eintracht dahinfließt, obwohl es manchmal wie ein inniges Gebet anmutet. Deshalb wirkt das folgende Scherzo wie ein aufgeweckter Variationensatz. Das gilt noch viel mehr für das abschließende Rondo mit seiner Fülle an mit Tremoli und Pizzikati gewürzten kompositorischen Effekten. Musik, die gute Laune macht.

   Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio d-Moll op. 49 reicht für eine ganze Konzerthalbzeit – und verlangt deshalb auch den Ausführenden ein hohes Maß an Konzentration ab. Kein Problem für das Trio Opus 8 mit seinem reichen Erfahrungsschatz an Auftritten. Die Drei sind abgeklärt, aber nicht routiniert. Auf den bewegten ersten Satz mit seinem ausgedehnten Hauptthema folgt ein wieder vom Klavier schön kantabel intoniertes Andante, das neben dem Violinisten auch den Cellisten ausgiebig zu Ton kommen lässt.

   Sein Scherzo beschleunigt Mendelssohn quasi von Null auf Hundert in drei Sekunden, um dann zügig fortzufahren. Das finale Allegro bindet das ganze kompositorische Bukett nochmals mit feinster Dynamik, Tempo, Kraft und Fantasie zusammen. Für den enthusiastischen Beifall revanchiert sich das Trio mit einem die Gemüter beruhigenden Andante aus dem Klaviertrio c-Moll op. 66 des Komponisten.

Wolfgang Nußbaumer         

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