Es sollte einer der vielen Höhepunkte im Veranstaltungsprogramm der Landesgartenschau in Ellwangen werden. Tatsächlich ist das Konzert von Helge Schneider Donnerstagabend knapp an einem Skandal vorbeigeschrammt.
Warum? Zwischen sechs- bis siebentausend Helge-Fans haben sich schon eine Stunde vor Beginn in und vor der Sparkassen Heimatbühne versammelt. Prima Stimmung. Hörbar. Genau das ist das Problem. Der Blödelbarde und seine drei Instrumentalisten kommen mit ihrer Bühnentechnik gegen dieses Stimmengrundrauschen nicht an.
Helge Schneider fängt dennoch an. Artig beginnt er mit einem Kompliment: „Das ist ein schöner Ort hier!“ Weniger gut gefallen ihm die „Lauter!“-Rufe. Eine Viertelstunde wird am Sound geschraubt. Seine Stimmung kippt. Er empfiehlt „Hörgeräte“ und meint schnippisch: „Jetzt habe ich keine Lust mehr!“ Er verschwindet mit seiner Truppe von der Bühne. Bahnt sich hier eine Katastrophe an?
Er kommt dann doch nach langem Warten zurück, nachdem der Veranstalter das Publikum gemahnt hat, bitte leise zu sein. Das Grundrauschen bleibt, weil Sänger und Band rechts von der Bühne und draußen nach wie vor nur bruchstückhaft zu vernehmen sind. Dabei kann Helge Schneider doch so lapidar und larmoyant zugleich Geschichten aus dem wahren Leben erzählen. Hauptmotiv: Sie geht weg – und er bleibt allein mit seinen Sehnsüchten. Der permanente „Tanz auf dem Vulkan“ der Beziehungskiste. Zwischendurch genehmigt er sich und dem Publikum musikalisch ein „sexy Käsebrot“, denn es „ist ein gutes Brot“. Dann hat es nicht nur „gefunkt bei ihr“ sondern auch beim Publikum, als er seinen Klassiker „Katzenklo“ anstimmt. Auch „Aua!“ singt die Fangemeinde mit.

Bevor er mit „Fitze Fitze Fatze“ wieder etwas zum Mitsingen auspackt, zeigt der Multiinstrumentalist, warum er in der Jazzszene einen hervorragenden Ruf genießt. Mitbekommen haben das jedoch nur die ersten 20 Meter vor ihm und seiner Band. Wenn Helge Schneider jazzt, klappt das nur im Club oder geschlossenem Saal. Für ein Open Air ist der demnächst 71jährige nicht geschaffen. Außer wenn er auf dem Tenorsaxophon den „Mackie Messer“ aus Brechts „Dreigroschenoper“ bläst. Zum „Texas“ Song – „Das alles find ich scheiße“ – setzt er sich einen Hut auf und ans verstimmte Klavier. Motto: Ein bisschen verstimmt muss alles sein. Reim dich oder ich fress dich.
Die Masche der banalen Alltagsbeobachtungen mit skurriler Pointe funktioniert auch auf seiner Tour 2026. Dafür nimmt er die „Ellebogen vom Tich“. Er zeigt den Ellebogen und seine Hand, die eine Wange streichelt bei seiner abschließenden Hommage an „Ellwangen, Ellwangen…“ Zuvor hat er noch „100.000 Rosen“ überreicht, ist allein am Strand unterwegs gewesen, hat eine Handpuppe die Ventile seiner „Trompete von Mexiko“ drücken lassen und sich sonst noch in seinem unermesslichen Liedgut getummelt. Gut geschmeckt hat auch das freche „Bonbon aus Wurst. Und Schluß!“ Wirklich Schluss ist dann mit der schon erwähnten Hommage an Ellwangen. Dem Publikum hat’s gut gefallen.
Wolfgang Nußbaumer
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