Das ist schon ein Erlebnis für Auge und Ohr, wenn sich in der barockisierten spätromanischen Basilika in Ellwangen Musik der Renaissance und des frühen Barocks mit diesem Raum vermählt. So geschehen jetzt beim Konzert des Posaunenquartetts OPUS 4 aus Leipzig mit Denny Wilke an der Orgel.
Wo würden die vier Posaunisten des Gewandhausorchesters stehen, ist die erste spannende Frage in der gut besetzten Kirche. Sie haben sich für die Orgelempore entschieden. Das heißt, ihr sonorer Sound braust über die Köpfe der Zuhörerinnen und Zuhörer hinweg, die keinen Blickkontakt haben. Das schmälert den Genuss in keinster Weise. Eher schon die Menschen, die notgedrungen von der Blumenschau im Kreuzgang durch die Basilika zum Ausgang müssen.
Ihre Bläsermusik aus fünf Jahrhunderten eröffnen die Posaunisten und der Organist mit „Multiplicanti sunt“ von Ascanio Trombetti (1544-1590). Schon hier überzeugt der strahlende und doch weiche Klang der Barockposaunen im ausgewogenen Zusammenspiel mit der Orgel. Giovanni Pierluigi Palestrina (1525-1594), der „Fürst der Musik“ wie auf seinem Grab steht, darf mit seiner komplexen, klar strukturierten Musik nicht fehlen. Die Bläser aus Sachsen intonieren „Ecce veniet dies illa“. Bevor sie mit der für Bläser arrangierten geistlichen Chormusik „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ in den deutschsprachigen Raum starten, kann Denny Wilke mit dem fein ziselierten „Nöel en Tambourin“ sein großes Können als Organist solistisch zeigen.

Ein Fest für sich sind die vier Stücke von Aurelio Bonelli und Ludovico Grossi de Viadana, die um 1600 gelebt haben.
Weil der Leiter des Ensembles, Jörg Richter, erkrankt ist, bringt Denny Wilke die Basilikaorgel mit J. S. Bachs „Toccata“ d-Moll wieder solo zum Klingen. Er zieht alle Register und lässt die Pfeifen jubilieren, dass es eine Freude ist. Auch „Carillon de Westminster“ aus der 3. Suite seiner „Pièces de fantasie“ lebt er mit kluger Registrierung zu einem Orgelfest aus. Beide Stücke zählen zu den Höhepunkten dieses Konzerts.
Zwischen diesen beiden Kompositionen „singen“ die vier Posaunisten, bei denen Stefan Wagner von der sächsischen Bläserphilharmonie für Jörg Richter eingesprungen ist, den „Vespergesang“ op. 121 von Felix Mendelssohn Bartholdy – sehr harmonisch und innig. OPUS 4 verabschiedet sich mit einem wuchtig-hymnischen Stück von Richard Strauss anstelle des im Programm ausgedruckten „Canticum sacrum“ von Bernhard Krol, der Erkrankung von Jörg Richter geschuldet. Für den herzlichen Beifall des Publikums, das jetzt zu ihnen nach oben zur Orgelempore blickt, bedankt sich das Ensemble mit einem kurzen Bläserstück.
Wolfgang Nußbaumer
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