Das Kulturradio SWR2 hat sie als „Hingucker“ unter den 210 Galerien aus 15 Ländern apostrophiert. Die Arbeiten der Künstlerin aus Rosengarten bei Schwäbisch Hall zählen in der Tat zu den wenigen Aha-Erlebnissen der 17. Kunstmesse mit Klassischer Moderne und Gegenwartskunst. Den nach dem Maler und Schriftsteller Hans Platschek benannten Preis hat dennoch eine andere Künstlerin erhalten – Helga Schmidhuber. Nachdem er wiederholt unter den drei besten Skulpturenplätzen nominiert worden ist, hofft Brenner, das es mit den so ungewöhnlichen wie gewinnenden Ehrenfried-Kreationen diesmal klappt.
Mit von der Partie ist wieder die Galerie Zaiß aus Aalen mit ihren üblichen und gerne verfolgten „Verdächtigen“. Vorneweg das Elsässer Urgestein Raymond E. Waydelich. Mit seinen 81 Jahren ist er vital wie eh und je. Wer den Messestand betritt, in dem Sigi Zaiß die so unterschiedlichen künstlerischen Positionen klar gegliedert präsentiert, wird unweigerlich mit einer Art Kampfschwein und einem nicht minder possierlichen Hund konfrontiert, der nach einer Wurst schnappt. Im Geiste verwandt ist Waydelich der Ludwigsburger Werner Lehmann, der mit seinen sinnlich-sinnigen bis herrlich frechen „Narrenschiffen“ aus gebranntem Ton, hinreißender Malerei und treffsicheren Zeichnungen seit 2005 durch Zaiß auf der art Karlsruhe vertreten wird.
Den Gegenpol zu den temperamentvollen Gegenständlichen, zu denen auch der Kraftmaler Marc Felten aus Straßburg zählt, bilden Hannelore Weitbrecht mit ihren filigranen Papierobjekten, Michel Cornu mit seinen feinen Abstraktionen auf Papier und Norbert Klaus, der seinen Reisigbündeln Stahlplastikern und Papierprägeobjekte hinzugefügt hat.
Mit der jungen südkoreanischen Künstlerin Dahae Seung, die an der Karlsruher Kunstakademie mit Schwerpunkt Skulptur studiert hat, hält bei Zaiß modernste Drucktechnik Einzug. Das mit einem 3-D-Drucker erzeugte Objekt in einem Glaskubus gewinnt auf den ersten Blick durch seine ästhetische Ausgewogenheit; auf den zweiten erkennt man ein Gehirn, das auf einem Rückgrat ruht. Der Titel „Descartes“ verweist auf den französischen Philosophen und Naturwissenschaftler und dessen Diktum „Ich denke, also bin ich“. Seung geht es um die Frage nach der Identität des Menschen. Sie korreliert mit der kunstphilosophischen Überlegung, die einst Hans Platschek formuliert hat: „Die Frage bleibt immer, warum jemand ein Bild macht.“

Das fragt man sich beim Gang durch die vier Hallen in der Tat manchmal. Wobei der Begriff Bild für alle Darstellungsformen steht. Man sieht viel alten Wein in neuen Schläuchen und umgekehrt. Die Kunst reflektiert sich selbst, das heißt in diesem Falle, sie kreist um sich selbst. Eine Nabelschau des häufig Gleichen. Da bilden die Künstlerinnen und Künstler aus anderen Nationen bei dem – zu Teilen – Festival der Augenwischerei keine Ausnahme.
„Die art Karlsruhe überzeugt mit ihrem Profil und uns geht es nicht um Spekulation, nicht darum, den Markt anzuheizen, sondern um die Vermittlung besonderer Werte“, mit diesen Worten hat die Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe, Britta Wirtz, die 17. Ausgabe der Verkaufsausstellung eröffnet. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup ergänzt: „Die Massen strömen jedes Jahr zur Kunstmesse, ohne dass es eine Massenveranstaltung ist.“ Kurator Ewald Karl Schrade betont: „Kunst hat an Popularität gewonnen, hat aber bis heute eine breite Streuung nötig.“ Dieser Aufgabe hat sich Schrade mit großem Aufwand wieder gestellt.
Die Sonderausstellung der Stiftung Hans-Peter Haas – Serigraphien großer Meister von Ackermann bis Vasarely zeigt, wie der Siebdrucker Hans-Peter Haas (HPH) mit sicherem Blick eine Sammlung druckgrafischer Werke aufgebaut hat, aus der auf rund 100 Werke gezeigt werden. In direkter Nähe zur Sonderschau Druckgrafik, die 2020 bereits zum vierten Mal stattfindet und für die aus Einreichungen der ausstellenden Galeristen Werke juriert und angeboten werden.
Künstlerinnen im Fokus
2020 zeigen die ausstellenden Galerien vermehrt weibliche Positionen: Arbeiten von bedeutenden Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die zwar Kunstgeschichte mitgeschrieben haben, doch jahrzehntelang von den Museen und teils auch vom Kunsthandel vernachlässigt wurden. Das gilt beispielsweise für die Malerin Lotte Laserstein, die beim erstmals ausstellenden Galeristen Dr. Michel Nöth (Ansbach) im Programm ist oder auch für die Bildhauerin Renée Sintenis, vertreten von der Galerie Ludorff (Düsseldorf).
Für Werke der klassischen Moderne haben sich wieder viele Galeristen entschieden, so dass diese Kunst-Epoche insgesamt stark vertreten ist. Von Lovis Corinth über Max Ernst bis zu Pablo Picasso. Mit den entsprechenden Preisen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Arbeiten der Zero-Bewegung. Allein Heinz Mack und Otto Piene stehen im Fokus von jeweils acht bis zehn Ausstellern. Im Bereich der Gegenwartskunst wird ebenfalls höchste Qualität gezeigt. Viele amerikanische Künstler sind diesmal vertreten, beispielsweise Christo, Julian Schnabel, Cindy Sherman und Richard Serra. Auch Werke der Pop-Artisten stehen zur Verfügung, ob Roy Lichtenstein oder Robert Rauschenberg oder James Rosenquist. Sieben Galerien zeigen Werke von Andy Warhol.
Größtes Sammler-Interesse werden einmal mehr die Bilder von Gerhard Richter finden. Sicher auch die Werke von Georg Baselitz, Miriam Cahn, Katharina Grosse, Jürgen Klauke oder Karin Kneffel.
Info: Die Kunstmesse ist bis einschließlich Sonntag täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Weiteres unter www.art-karlsruhe.de
Wolfgang Nußbaumer/pm
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