Zumindest deren fotografische Abbilder, wobei das fesselnde Detail immer für das Ganze steht. Ihre großformatigen abstrakten Aufnahmen und weitere Arbeiten sind bis Ende 2019 während der Geschäftszeiten der Nürnberger Versicherung öffentlich zu sehen.
Das größte Interesse dürften die geheimnisvollen großen Fotografien finden, die während der Zusammenarbeit mit dem Londoner Künstler Paul Kelley entstanden sind. Über diese Symbiose zwischen kundigem Auge und makellose Kuben schaffender Hand haben wir schon wiederholt berichtet. Ihr Ergebnis sind Bilder, die mit ihrem in sich ruhendem meditativem Charakter optische Oasen im Stakkato des Alltags sind.
Als langjähriger Freund der Familie hat der in Abtsgmünd-Hohenstadt und Berlin lebende und arbeitende Zeichner und zeitweilige Fotograf Alfred Bast das Leben der Kollegin Revue passieren lassen. In Untergröningen am Kocherknie geboren, hat sie ihn später als „begabte Zeichnerin“ beeindruckt. Künstlerisch richtig erfolgreich ist sie allerdings erst geworden, als sie den Stift mit der Kamera getauscht hat.

Ursula Maier (r.) im Gespräch mit der städtischen Wirtschaftsbeauftragten Verena Kiedaisch.
2006 hat sie ihr Hobby Fotografieren dann zum Beruf gemacht. Ihre Prämisse lautet dabei, dem Gegenstand treu zu bleiben. Er ist der Souverän, nicht die gestalterischen Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung. Dennoch hat Alfred Bast behauptet, „ihre Bilder haben sich vom realen Gegenstand gelöst“. Mit gutem Grund. In der Spiegelung der Farben auf einer glatten oder bewegten Wasserfläche, im vergrößerten Detail der Fassade eines venezianischen Palazzos, in den verschwimmenden Farbverläufen und Hell-Dunkelkontrasten von Kelleys Kunst-Würfeln aus der Venedig-Serie entdeckt er ein wesentliches Mysterium von Ursula Maiers fotografischen Exerzitien: „In der sichtbaren Welt stecken noch ganz andere Dimensionen.“
Zum Beispiel im Verhältnis von Betrachterin und Betrachter zum Bild. Dieses bleibt stabil, jene dagegen bewegen sich. Womit sich wiederum die Qualität der Wahrnehmung verändert. In der stillen Zwiesprache lernt der Schauende sehen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür wiederum ist die Art und Weise, in der die Fotografin vorgeht. „Sie jagt nicht; sie wartet, bis die Bilder zu ihr kommen.“ Und damit zu uns. Dies gilt auch für ihre makellosen Landschaften, den Impressionen von Kochel- und Walchensee. In ihrer erhabenen Ruhe stehen sie für eine heile Welt – und sind uns damit zugleich Mahnung, pfleglich mit ihr umzugehen. Denn wir haben keine andere.
Info: Ausstellung in den Räumen der Nürnberger Versicherung, Marktplatz 18, bis Ende 2019 zu den Geschäftszeiten
Wolfgang Nußbaumer
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