Markt der Begegnungen

21. Feb. 2019

   Schlappe 94 Jahre alt ist er – von Beruf Metallbildhauer. Aktiv! Sein Gehör ist nicht mehr das beste; dafür funkeln die Augen umso lebhafter. Erst mit 60 hat er die Kunst für sich entdeckt. Zuvor war der in Siebenbürgen geborene Künstler als Arzt tätig. Den Rollstuhl schiebt seine Freiburger Nachbarin Susanne Allgaier. Sie hat ebenso lebhafte blaue Augen. Über die Kunst hat sie ihn kennengelernt. Und das gemeinsame Interesse hat sie mit ihm nach Karlsruhe geführt. So konträr wie die beiden in ihrer Erscheinung sind, so gegensätzlich sind sie in ihrer Arbeit. Susanne Allgaier malt nicht auf Leinwand – sie näht auf Leinen. Sind es Entwürfe für Kleidung? Oder doch nicht eher zur Kunst geadelte Möglichkeiten? Sieht man genauer hin, mutieren die Kleidobjekte zu figurativen Darstellungen mit einem erfrischend ironischen Zug um die Lippen. Der Laute und die Leise – ein komplementäres Paar par excellence.

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Skulpturenpark mit den monolithischen Objekten von Herbert Mehler.

   Auf dieser Schau trifft man nicht nur bekannte und neu zu entdeckende Kunstwerke, man begegnet auch guten alten Bekannten. Angelockt von Schaumaster Ewald Karl Schrades märchenhaftem Kunstsalon. Wie den bissigen Sammler und Kunstkenner Gerd Angler (Name von dern Redaktion geändert), den alle Kunstschaffenden aus dem deutschen Südwesten zu kennen scheinen. Und er sie. Im Gespräch mit ihm erfährt man mehr über die Szene, ihre bunten Vögel und grauen Mäuse als aus einem dicken Katalog. Das ersparte einem zwar nicht den Gang durch die vier Hallen. Sich mit ihm danach an der kurzen Erinnerung zu reiben, fegt einige Schlacken weg und macht den Blick frei für Neues. Der Kunst-Makt im Badischen ist eben zugleich ein Platz der bereichernden Begegnungen. Kunst bedingt Kommunikation. Sonst gäbe es sie nicht.

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 Ulrike Langens Frauenbilder – rätselhaft und schön.

 

    Nun zur Sache selbst: 208 Galerien aus 16 Ländern haben auf der 16. artKarlsruhe in vier großen Hallen hochkarätighöchst ansehnliche Rolle. Bei Cyprian Brenner (Galerien in Niederalfingen und Schwäbisch Hall) musste man unbedingt Buchen suchen. Helge Hommes hat mit drei großformatigen Ölgemälden dem gerade noch gestoppten Kahlschlag im Hambacher Forst ein sinnfälliges und großartig gemaltes Denkmal gesetzt. Zu längerer Betrachtung haben die lasierten abstrakten Bilder mit ihren zum Teil an Schneekristalle erinnernden vertikalen Farbverläufen von Bruno Kurz eingeladen. Der Maler komme vor allem in Kanada „gut an“, verrät Galerist Brenner. Diesem Maler entspricht in seiner Naturnähe zum Holz Norbert Klaus mit seinen sublimen und handwerklich perfekten Objekten, den die Galerie Zaiß aus Aalen neben weiteren Künstlern der Galerie zeigte; darunter der Elsässer Raymond E. Waydelich mit seinen Objektkästen. Mit ihnen hatte die mittlerweile 80 Jahre alte Frohnatur 1973 Frankreich auf der Biennale in Venedig vertreten.

   Immer ein Hingucker sind die Arbeiten von Ulrike Langen aus Aalen mit ihrer ein sowohl selbstbewusstes als auch anmutiges weibliches Selbstverständnis transportierenden symbolträchtigen Bildsprache. Diese besticht durch die Mischtechnik aus Malerei, Pigment- und Siebdruck – zu sehen waren sie bei der Art 28 Galerie.

Wolfgang Nußbaumer

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