Liebe Licht und Himmel – einfach paradiesisch

08. Mai 2023

   Warum der Orachor nicht wie gewohnt in der Stadtkirche nebenan auftritt, mag sich die eine oder der andere gefragt haben. Die Antwort ist einfach. Die Leiterin des Gesangsensembles, Mirjam Scheider, und der Organist sind sich freundschaftlich verbunden. Diese private Verbindung passt gut zu den Stücken von der Insel. In ihnen wird jedoch vor allem die Beziehung zwischen Gott und den Menschen besungen.

   Zwar sind die Komponisten bis auf John Ellerton, mit dessen Kirchenlied „The day thou gavest“ das Konzert endet, alle im 20. Jahrhundert geboren oder gestorben. Dennoch ist neue Musik, die traditionelle Hörgewohnheiten eher schmerzt, an diesem Abend für die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer außen vor geblieben. Liebe, Licht und Himmel werden mit harmonischem Wohlklang nahegebracht. Nur Benedikt Nuding darf sich bei seinen kühnen Improvisationen etwas freier in den Klangräumen tummeln.

   Schon das erste Stück des 1945 geborenen Robert Jones zeigt an, wo die musikalische Reise hingehen wird. Sein „Laudate Dominum“ ist Harmoniegesang par excellence. Nach dem Chor, der auf der Treppe hinauf zum Altar Aufstellung genommen hat, erklingt hoch oben von der Orgelempore Tabea Schmidts feiner Sopran mit Charles Villiers Stanfords „A Song of Peace“. Ein Solo für den Frieden. Enorm, was sie bei diesem Konzert leistet. Nicht nur solistisch, sondern auch an Wegstrecke. Mal singt sie oben, mal unten beim Chor. Außer Atem ist sie nie gekommen. Immerhin sorgen drei Lesungen für Verschnaufpausen.

Ora3.JPG

Glückliche Verbindung. Mirjam Scheider bedankt sich herzlich bei Tabea Schmidt, beklatscht vom Chor und beobachtet von Benedikt Nuding.

   „Make a joyful noise unto the Lord“ des 2015 gestorbenen Christopher Tambling nimmt der große Chor unter der wie immer mit leichter Hand lenkenden Mirjam Scheider wörtlich. So beschwingt geht es indes nicht weiter. „Love divine, all loves excelling“ hat Robert Jones mit inniger Haltung und von tiefem Glauben getragen komponiert – adäquat interpretiert von Chor und Sopranistin.

   In John Irelands „Greater love hath no man“ kann der Chor zeigen, über welche dynamische Wucht er verfügt. In John Rutters „Pie Jesu“ bewährt er sich im Wechselspiel mit Tabea Schmidt, ebenso in „And I saw a new heaven“ des 1952 geborenen Malcolm Archer.

   Polyphonie vom Feinsten hat John Rutter mit „The Lord bless you and keep you” zu Papier gebracht. Und die Dirigentin hat sich einen sinnfälligen Schluss einfallen lassen. Weil es sich bei Ellertons „The day you gavest“ um ein Kirchenlied handelt, haben die Chormitglieder an verschiedenen Stellen in der Basilika Aufstellung genommen. Sehr herzlicher, lang andauernder Beifall!

 

Wolfgang Nußbaumer

(08.05.2023)       

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>