Rätselreise durch Bildermärchen

24. Sep. 2026

Wer zur Zeit ins Palais Adelmann in Ellwangen geht, betritt eine verwunschene Welt. Gestaltet hat sie die in Aalen lebende Künstlerin Jessica Rühmann. „Es war einmal…“ hat sie ihre wieder von Bernhard Maier kuratierte Ausstellung überschrieben. Inspiriert zu farbenfroher Malerei und Zeichnungen haben sie die von den Gebrüdern Grimm gesammelten Märchen.

   Bevor Jessica Rühmann ans Mikrofon tritt, um den zahlreichen Gästen ihre Arbeiten zu erläutern, raunt der Leiter des städtischen Kultur- und Presseamtes Dr. Anselm Grupp das Wort „verwunschen“. Und schon erklingt Klaviermusik, die sich diesem Wort widmet. Johannes Billich wird bei der Vernissage noch öfters zu seinen gelungenen spontanen Improvisationen in die Tasten greifen.

    Wie schön. Eine Kunst assistiert der anderen. Warum Märchen? Für die Malerin „eine wahre Schatzkiste“. 2009 hat sich die gelernte Grafikerin selbständig gemacht. Grafik und Malerei sind Seelenverwandte. Logisch, dass sich Jessica Rühmann Pinsel und Palette zugewandt hat. 23 ihrer ÖL- und Acrylbilder sind im Palais zu sehen. Ferner diverse zwischen 2017 und 2025 entstandene Zeichnungen. Einige ihrer Skizzen sind Grundlagen für zwei der märchenhaften Gemälde. Eigentlich geht sie an die weiße Leinwand „intuitiv“ heran.  Einfach mal einen Pinselstrich setzen. Doch wenn man figürlich malt, „wird dieser Ansatz schwierig“. Deshalb hat sie mit Skizzen angefangen.

Auf einem Büchertisch im ersten Obergeschoß ergänzen Märchenbücher die Märchenbilder. (Fotos: -uss)

   Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zumal sie die zum Teil kaum bekannten Märchen gerne gegen den Strich bürstet. Das „Rotkäppchen“ ist bei ihr eine selbstbewusste junge Frau. Der böse Wolf steht ihr „Draußen im Walde“ nur schemenhaft gegenüber. Und auf dem Bild „fresh red cap“ blickt sie mit bloßem Oberkörper und der roten Kappe auf den langen Haaren den Betrachter und nicht das Tier an. Es gibt einiges auf ihren Bildern zu entdecken, das nicht den tradierten Erwartungshaltungen und Sehgewohnheiten entspricht. Zum Beispiel gesellschaftliche Kritik, wie sie andeutet: „Als Erwachsener Märchen zu lesen, eröffnet ganz neue Perspektiven.“

   Die Art, wie Jessica Rühmann diese umsetzt, gibt dem Betrachter seine Deutungshoheit. Diese Bildwelten zu interpretieren, ist ein Abenteuer für sich. Mit dem „Yellow Submarine“ zum „Wasser des Lebens“ abtauchen? Nur zu! Und dabei noch „Devil’s granny“ zuwinken („Der Teufel und seine Großmutter“), die im Treppenhaus giftgrüngelb auf einen herunterblickt. Oben warten auf einem Büchertisch noch einige Märchenbildbände aus den Beständen der benachbarten Stadtbibliothek. 

   Die Besucherinnen und Besucher sind indes nicht nur zum Schauen, sondern auch zum Mitmachen eingeladen. Im Gartensaal wartet eine weiße Holzlilie darauf, bemalt zu werden. Die Aalener Künstlerkollegin von Jessica Rühmann, Waltraud Schwarz, hat den Anfang gemacht.

   Info: Die Ausstellung ist bis 4. Oktober Do-So und am Tag der deutschen Einheit 14.30-17 Uhr geöffnet.

Wolfgang Nußbaumer           

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