Klangmalerei als Hörvergnügen

14. Sep. 2025

   Das ist allerdings der einzige Ausrutscher bei der elektrisierenden Aufführung zweier Werke von Gustav Mahler unter der Leitung des versierten Klangmalers Uwe Renz. Er ist seit 20 Jahren JPO-Chefdirigent.

   „Celebrations“ ist die Konzertreihe mit Aufführungen in Aalen, Heidenheim und der Stauferstadt aus Anlass des 30jährigen Bestehens des Vorzeigeorchesters überschrieben. So soll jedes Konzert eine „Feier“ werden. Mit allem, was dazu gehört. Frohsinn und Trauer, Glück und Pech, Schönes und Hässliches, Erhebendes und Makabres – und im Falle der 1. Sinfonie D-Dur eine gehörige Portion Ironie.

   Doch bevor die mit einigen Ehemaligen auf über 100 Mitwirkende verstärkte Truppe die vier Sätze in Angriff nimmt, ist Mahlersche Poesie in Reinkultur angesagt. Der aus Dewangen stammende Bariton Andreas Beinhauer gestaltet mit feiner Differenzierung die vier Lieder aus dem Zyklus „Lieder eines fahrenden Gesellen“. Glückseligkeit und Weltschmerz, Hoffnung und Wehmut gehen in der poetischen Aufarbeitung einer gescheiterten Liebe eine innige, doch nicht reibungslose Verbindung ein. Da schneidet „ein glühend Messer“ mit wuchtigem Crescendo und tiefster Verzweiflung direkt ins Herz, bevor Trost in Form von „zwei blauen Augen von meinem Schatz“ naht. Das Orchester trägt den Sänger durch Dur und Moll so exakt wie es sein muss.

   Großer Beifall, in den sich zahlreiche Bravorufe mischen, und ein Blumenstrauß aus der Hand von OB Richard Arnold sind der Dank für die tief berührende Interpretation. Arnold hatte zu Beginn auch die Zuhörerinnen und Zuhörer begrüßt und daran erinnert, dass vor 30 Jahren die Gründungsidee für die JPO von Schwäbisch Gmünd ausgegangen sei.

 

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   Von einer wohlklingenden Blechbläserfanfare im Foyer in den Peter-Parler-Saal zurückgeholt, erlebt das Publikum im bei weitem nicht voll besetzten Haus eine Sternstunde der Jungen Philharmonie. Schon das eröffnende langsame Unisono der Streicher, aus dem sich Bläsermelodien erheben, sitzt perfekt. „Langsam“ verzeiht nichts. Anfang gut dieser 1. Sinfonie, alles gut. Dann macht sich die musikalische Wanderbewegung auf den Weg durch einen verwunschenen Wald, in dem der Kuckuck und noch einiges andere Getier rufen. Hin und her geht die Komposition, auf und ab, bevor der Satz mit viel Tschingderassabumm auf die Zielgerade einbiegt.

   Richtig volkstümlich wird es im zweiten Satz mit einem Ländler, zu dem sich später noch echte Walzerseligkeit hinzugesellt. Landleben nach Mahlers Art. Richtig rund geht es im dritten Satz. „Des Jägers Leichenbegängnis“ gestaltet der Komponist als einen augenzwinkernden musikalischen Witz, den Uwe Renz mit seinem Orchester blendend zum Besten gibt. Elemente aus den „Liedern eines fahrenden Gesellen“ sind in buntem Durcheinander hier ebenso verarbeitet wie der Kanon „Bruder Jakob“ („Frère Jacques“). Langeweile kommt bei diesem tierischen Trauermarsch, der in einem Pianissimo verhaucht, nicht auf!

   Umso gewaltiger der Kontrast zum Auftakt des vierten Satzes. Dröhnender Aufruhr des gesamten Orchesters. Alle haben da alle Hände voll zu tun. Einschließlich Dirigent, der in diesem überbordenden instrumentalen Chaos den Überblick behalten muss. Nach diesem wilden Aufbäumen sinkt das Geschehen quasi erschöpft zurück, bis die Streicher wieder mit dem Durchatmen beginnen. Der turbulente Finalsatz mit mehreren Anläufen zum erlösenden musikalischen Orgasmus erweist sich mit dem Einsatz wirklich aller Instrumente im dynamischen Kontrastprogramm als Krönung der Sinfonie. Stehend blasen die Hornisten das Schlussthema über den Tuttijubel hinweg. Geschafft. Und wie! Stürmischer, lang anhaltender Beifall.

Wolfgang Nußbaumer    

(14.09.2025)             

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