Hell und Dunkel bringen sie kongenial unter einen Hut. Das Programmheft hat mit „einer wilden Mischung aus Klassik, Pop, Jazz und Avantgarde“ nicht zu viel versprochen. Da sind wirklich alle Zuhörerinnen und Zuhörer in diesem eigenwillig-erhabenen Raum auf ihre Kosten gekommen. Und sie haben mit Beifall nicht gespart. Angefangen bei dem rein instrumentalen „Triple B“ des Pianisten Christian Fritz in einem Höllentempo als wegweisende Visitenkarte mit fliegenden Flötenwechseln, bis zum dunkel-versonnenen Schluss-Song „Thanks for this disillusion“ (Danke für diese Enttäuschung), den Sandie Wollasch nach einer entsprechenden Erfahrung selbst geschrieben hat. Wie ihr „Believer“, ein stimmungsvoller Song aus dem Jahr 2013.
In den knapp zwei Stunden dazwischen geht es quer durch die zeitgenössische Musikgeschichte. Meist in Hochgeschwindigkeit, mit rhythmischer Raffinesse und viel Sinn für Farbe. Das betrifft die verwegenen Klangvariationen ebenso wie die Liedtexte. In „Orange Colored Sky“ beschreibt das lyrische Ich, wie es aus einem orangefarbenen Himmel heraus von der Liebe getroffen wird. Wie die Sängerin das mit ihrer glasklaren Stimme beschreibt, hat Gänsehautpotential. Wenn sie „I Like The Sunrise“ von Duke Ellington in einem dieser kapriziösen Arrangements interpretiert, die zu den Markenzeichen der Truppe gehören, geht die Sonne mit einem Lächeln auf. So erklärt es zumindest der Flötist Daniel Koschitzki. Mit viel Charme und Humor führt er durch das Programm. Dem wieder ungemein flotten und frechen „Airconditioner“ von Christine Landin angemessen.
In dem Instrumentaltitel „The Eternal Second“ von Victor Plumenttaz, dem Cellisten des Quintetts, hat man tatsächlich das Gefühl, als ob die Zeit stehenbleiben würde. Allerdings äußerst energiegeladen. In ihrem roten Hosenanzug hebt sich die schlanke Sängerin wirkungsvoll von den fünf Instrumentalisten ab. In ihren Songs bilden sie indes eine Gemeinschaft, die sich auf deren perfekte und dabei doch so unmittelbar lebendige Interpretation eingeschworen hat.

„Spark“ garantiert reizvolle Klänge in ausgefeilten Arrangements.
In Gershwins „Summertime“ bleiben sie noch nah am Original; Stings „Fields Of Gold“ treffen nur mit Klavier- und Flötenbegleitung voll Ins Gemüt, während der religiös angehauchte „Depeche Mode“-Titel „Personal Jesus“ auf packende Weise das Publikum in die Pause entlässt.
Zeit auch für Sandie Wollasch, Daniel Koschitzki und seine nicht minder virtuose Kollegin Andrea Ritter, den Geiger Stefan Balazsovics, Christian Fritz und die junge Cellistin, die für Victor Plumenttaz eingesprungen ist, durchzuatmen, bevor Sandie Wollasch ihr Format als Jazzsängerin in einer dynamisch ausgefeilten Interpretation von Billie Holidays 1949 entstandenem „Now or Never“ demonstriert. Standing Ovations erntet das Ensemble, als es Vivaldi und Bach in dessen Konzert a-Moll mit einem irrsinnigen Temperament durch seinen instrumentalen Fleischwolf dreht.
Die grazile Sandie Wollasch kann nochmals mit den drei letzten Titeln punkten. dem Rock-Klassiker “Light My Fire“ von „The Doors“; einer gemeinsamen Reise auf Mancinis „Moonriver“ hinter den Regenbogen (ohne Audrey Hepburn) und „Ocean“ von Alison Goldfrapp. Da schwappt rauschhaft ein wahrer Klangtsunami durch die Johanniskirche. Hinreißend!
Mit dem Ohrwurm „You’ll never walk alone“ und dem eingangs schon erwähnten Song über die „disillusion“ verabschieden sich Sandie Wollasch und das perfekte Quintett, begleitet von frenetischem Beifall.
Wolfgang Nußbaumer
(10.08.2025)
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