Für das Jubiläumsprogramm haben Chorleiterin Katja Trenkler und Dirigent Manuel Durão eine ambitionierte Auswahl von J. S. Bach bis zu Max Reger und dem EKM-Preisträger 2024 Karl Jenkins getroffen. Kein falsches Selbstbewusstsein; denn beide Ensembles agieren auf sehr hohem Niveau.
Seinen Anspruch hat das Collegium musicum zu Beginn mit Bachs gern gehörter Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur eingelöst. Das „Air“ hat mit seiner hinreißend schönen Melodie einen festen Platz im musikalischen Gedächtnis jedes Klassikfans. Mit Hingabe vom Orchester musiziert. In den schnellen tänzerischen Sätzen zeigt es, dass es, in Schwung gehalten vom raumgreifenden Dirigat seines Leiters, auch Tempo kann.
Chor und Orchester harmonieren in Mozarts triumphalem „Te Deum“ und dem getragen gebetshaften „Ave verum corpus“ hervorragend zusammen. Zu Vivaldis „Credo“ reiht sich Manuel Durão in die Männerstimmen ein. An seiner Stelle zeigt Katja Trenkler, weshalb der große venezianische Klangfarbenmaler mit dem rhythmischen Pinselstrich bis heute beliebt ist. Ein funkelndes, vielschichtiges Meisterwerk, dem Chor und Orchester in perfekter Abstimmung gerecht werden.
Die beiden geistlichen Lieder „Ave verum corpus“ und „God shall wipe away your tears“ des vielseitig begabten Karl Jenkins lassen erleben, wie harmonisch sinnvoll im Heute komponierter Gesang klingen kann.

Sie singt und dirigiert mit Leidenschaft: Katja Trenkler.
Als „ein ganz schlichtes Stück“ charakterisiert Antonia Morin, die durch das Programm führt, „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein Gebet, das schon im Mittelalter gesungen worden sei. Wie es sich dann auf der Bühne der Stadthalle entwickelt, ist alles andere als schlicht. Eingeleitet vom Orchester wandelt das Thema von den Männerstimmen über den Alt bis zu den hell leuchtenden Sopranen. In der Summe eine erhabene Ganzheit.
Richtig romantisch geht das vom Orchester intonierte „Lyrische Andante“ Max Regers ins Ohr. Der kantige Oberpfälzer hat damit ein ungemein poetisches Stück geschaffen.
Mit acht Teilen aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel beenden das Collegium musicum und der Konzertchor zusammen das Programm. Ein letztes Mal Gelegenheit in bester Musik zu baden bis zum hymnischen finalen „Hallelujah“. Für den reichen Beifall darf sich das überschaubare Publikum nochmals am „Hallelujah“ und dem „Ave verum“ erfreuen.
Zu Beginn hat Oberbürgermeister Frederick Brütting Chor und Orchester als „integrierende Kraft für die Stadtgesellschaft“ gewürdigt. Sie hätten seit 80 Jahren für konsequente kontinuierliche Kultur in Aalen gesorgt. Die Vorsitzende der Oratorienvereinigung, Helga Otto, erinnerte an „die Hunderte Werke“, die einstudiert und die zahlreichen Kontakte, die in den acht Jahrzehnten geknüpft worden seien. Für dieses Konzert hat sie sich „Gänsehautmomente“ gewünscht. Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen.
Wolfgang Nußbaumer
(11.05.2025)
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