Die wunderbare Welt des Barock

30. Juli 2023

   Mit Musik von Antonio Vivaldi und Giovanni Battista Pergolesi, geprägt von zwei großartigen Countertenören und dem Freiburger BarockConsort.

   Dass dieses Konzert eine besondere Preziose an dem an Außerordentlichem reichen EKM-Programm ist, zeigt der Aufnahmewagen des SWR vor der Kirche. Der Altus Terry Wey und Valer Sabadus in der Sopranlage verkörpern Weltklasse in ihrem Metier. Beide bieten im Zusammenspiel mit den geschmeidig intonierenden sieben Freiburger Instrumentalisten ein Klangerlebnis erster Klasse.

   Bevor jedoch die beiden Sänger zu Ton kommen, stimmt das BarockConsort sein Publikum mit Vivaldis kurzem und ausgesprochen wohlklingendem „Concerto madrigalesco d-Moll“ auf das kommenden Hörerlebnis ein. Die „Vier Jahreszeiten“ hat fast jeder im Ohr, die beiden Motetten „Nisi Dominus“ (Wenn nicht der Herr) und „Sum in medium tempestatum“ (Inmitten der Unwetter) kaum. Umso größer die Erwartungshaltung.

   In einer sehr nuancierten dynamischen Gestaltung korrespondiert der aus einer Schweizer-Amerikanischen Musikerfamilie stammende Terry Wey vollkommen ausgewogen mit dem von der ersten Geigerin Petra Müllejans geleiteten Ensemble in unterschiedlicher Orchestrierung. Vivaldi versteht sich auf das Spiel mit Klangfarben. Zum Beispiel lässt er das „Gloria“ in der ersten Motette von Corina Golomoz auf der Viola eröffnen. Torsten Johann am Harmonium kommt hinzu.

   Der Deutschrumäne Valer Sabadus ist ein ganz anderer Typ, geht körpersprachlich mehr aus sich heraus als Kollege Wey. Allerdings darf er mit der Motette „Sum in medium tempestatum“ auch ein deutlich lebhafteres Stück singen – mit fabelhaftem Crescendo und barockem „Scat“-Gesang.

   Nach der Pause fesselt Pergolesis „Stabat Mater“. EKM-Intendant Klaus Stemmler zählt ihn in seinem Beitrag zum Konzertprogramm zu den jung verstorbenen Genies (1736 mit 26 Jahren) wie Mozart, Novalis oder die britische Soul- und Jazzsängerin Amy Winehouse. Sie im EKM-Programm zu erwähnen zeigt, dass Stemmler überhaupt nichts vom Staub unter den Talaren hält.

   Das „Stabat Mater“ überrascht durch seine permanenten Tonartwechsel, wobei jene in Moll überwiegen. Es handelt eben viel vom Schmerz über den Verlust des Gottessohnes. Wie im Duett „O quam tristis“ (Welch ein Schmerz) oder dem dramatisch aufgeladenen und zugleich tieftraurigen Sopransolo „Vidit suum dulcem natum“ (Sie sah trostlos und verlassen). Mal singen die beiden Countertenöre im Duett, mal wechseln sie sich solistisch ab. Zwischen piano und forte und natürlich in mühelos erreichten makellos schlackenlosen Höhen geht es zusammen mit dem hoch konzentrierten Septett hin und her. Bis zum abschließenden, ergreifenden Largo „Quando corpus morietur“ (wenn am End‘ mein Leib wird sterben).

   Weiße Rosen als sichtbarer und minutenlange „Standing Ovations“ als akustischer Dank sind der verdiente Lohn.

 

Wolfgang Nußbaumer

(30.07.2023)

         

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>