Von der Zeit, als die jungen Burschen aus Liverpool in der Großstadt an der Elbe ihr Glück versucht haben, erzählt ein Team der Landesbühne Esslingen bei den Theatertagen mit einer packenden Bühnenshow in der zu Recht gut besetzten Stadthalle.
Unglaublich, wie authentisch die Songs von der zunächst mit fünf Mann besetzten Band interpretiert werden. Da ist der Maler Stuart Sutcliffe noch dabei, den sein Freund John Lennon überredet, als Bassist in der Combo mitzumachen. Die paar Griffe bringt er ihm zu Beginn noch bei.
Zuvor hat Intendant Tonio Kleinknecht das Publikum darauf aufmerksam gemacht, dass die Rock ‘n‘ Roll-Show statt, wie angekündigt, 105 Minuten, satte drei Stunden dauern wird. Umso besser. Denn was das auf der von Regisseur Marcel Keller mit silbrig glitzernden Vorhängen dekorierten Bühne vor Spielfreude nur so sprudelnde Ensemble abliefert, haut einen glatt vom Hocker.
Bei den letzten Titeln „Love me do“ mit Mundharmonika-Intro, „Johnny B. Goode“ und Tony Sheridans Hit „My Bonnie“, bei dem ein 120-Kilo-Mann aus lauter Begeisterung ein Rad schlägt, hält es das 40++Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Mit „Twist and Shout“ hatte die Band zum Abschluss des offiziellen Programms das gesamte Ensemble schon in überschäumende Tanzwut versetzt. Da war der Maler Stu in den Armen seiner Geliebten, der Fotografin Astrid Kirchherr, bereits einem epileptischen Anfall erlegen – ein sehr berührender Moment im fahlen Licht.
Ansonsten geht es direkt spontan zur Sache, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Klare Sprache aus der Hafenstadt Liverpool. John schickt den Drummer in die Wüste, weil er den gestiegenen Anforderungen nicht mehr genügt, und ersetzt ihn durch Ringo Star. „Eier“ muss man haben, um zu bestehen, weiß Sänger John. So schaffen sie es aus der Spelunke in den „Star Club“, gemäß dem Rat eines Clubbesitzers: „Lasst die Sau raus!“
In ihrer Einführung hatte die Dramaturgin Stephanie Serles geschwärmt, dass die Landesbühne „über ein sehr musikalisches Ensemble“ verfüge, das dieses Projekt erst möglich gemacht habe. Trotzdem hat es eineinhalb Jahre gedauert, bis die Band-Schauspieler ihr Repertoire so perfekt erarbeitet hatten. Es hat sich gelohnt. Selten sind drei Stunden so schnell vorübergegangen.
Wolfgang Nußbaumer
(22.05.2023)
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