Weltweit führend

13. Sep. 2017
Fotos: -uss

Peter Koppen – der Altmeister des „Microship“ ist 70 geworden.


Dazu widmet ihm die Stadt Ellwangen eine Ausstellung im Café „ars vivendi“. Koppens gerahmte Armada ist bis 8. Oktober zu sehen.

Als flotter Falter hat sich der 1947 geborene Peter Koppen in die Ellwanger Kunstgeschichte eingeknickt. Den Begriff Microchip listig variierend, hat er sich auf die massenhafte Produktion von „Microships“ verlegt. Seine Armada aus farbigen Papierschiffchen hat der gebürtige Ellwanger nach beruflichen und studienbedingten Intermezzi in Australien und Berlin Mitte der 1980er-Jahre in München, wo er für drei Jahrzehnte als Busfahrer bei den Stadtwerken angeheuert hat, im Haifischbecken des Kunstmarkts zu Wasser gelassen. Fein aufgeklebt auf Pappe und schön gerahmt, entfalten sie einen ganz eigenen ästhetischen Charme. Damit knickt und presst Koppen unverdrossen quadratische Papiere unterschiedlicher Größe in einer Tradition, die ihren Ursprung in Japan hat. Nach bester Origami-Art verwandelt er die zweite in die dritte Dimension. Zu erleben auch bei der Vernissage, zu der zahlreiche Altersgenossen und Fans ins gemütliche Café drängten. In seiner „Volltext-Performance“ textet er mit flinken Fingern  faltend sein Publikum in einem verbalen Tsunami mit technischen Erläuterungen der 15 Faltvorgänge zu, dass die Ohren nach Luft schnappen.

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Peter Koppen erwartungsfroh – was wird der Kulturamtschef da wohl vom Stapel lassen…

Zuvor hatte ihn der Leiter des städtischen Kulturamtes, Dr. Anselm Grupp, in launigen Worten und mit einem Wertpapier gewürdigt, das besser nicht den Bach runtergehen sollte. Später hat auch noch OB Karl Hilsenbek dem Produzenten der Microships seine Aufwartung gemacht.   

     Was als Fingerübung und Hobby begann, hat Peter Koppen seriell perfektioniert. Sein durchaus ironisch gemeinter Falt-Reflex auf Marktmechanismen und die eitle Selbstverliebtheit der Kunstszene war alles andere als ein Schlag ins Wasser. Seine „pseudomaritimen Objekte“ sind geraume Zeit in besagtem Becken – durch Printmedien, Radio und TV aufmerksam wahrgenommen – munter mitgeschwommen. In den unterschiedlichsten geometrischen Formationen, die den Großreeder des kleinen Formats in der Nähe der konkreten Kunst als Nachfahre der Zero-Bewegung vor Anker gehen lassen. Wo Uecker nagelt, lässt Koppen Papierschiffchen zu Wasser. Vielleicht eine dauerhafte Reminiszenz an seine Rückkehr aus Australien auf dem Kreuzfahrtschiff „Achille Lauro“, das im Oktober 1985 von palästinensischen Terroristen entführt wurde und neun Jahre später am Horn von Afrika nach einem Maschinenbrand gesunken ist.    -uss 

Info: Im Café „ars vivendi“ zeigt Peter Koppen eine Auswahl an älteren und neuen Arbeiten. Die Ausstellung ist bis zum 8. Oktober zu den Öffnungszeiten des Cafés zu sehen.

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