So geschehen am Samstagabend im ausverkauften „Roten Ochsen“ in Ellwangen. Angetrieben von Schlagzeuger Joseph Ott und einmal mehr gesponsert vom unermüdlichen Hans Peter Haas hat die Truppe für allerbeste Stimmung gesorgt. Sogar „Gäste aus Aalen“ hat der Drummer augenzwinkernd entdeckt.
„Heißer Jazz zum Kalten Markt“ gehört zur Tradition, selbst wenn der große Markt schon etwas verlaufen ist. Eine zu pflegende Tradition, vor allem wenn sie von Könnern wie dem Trompeter Gerald Kresse, dem Multisaxophonisten Andreas Holdenried, dem Posaunisten Markus Krämer, Charly Thomass am E-Piano und Helmuth Schulz am Kontrabass hochgehalten wird. Zu den in vielen Konzerten gestählten alten Fahrensleuten gesellt sich mit dem Top-Gitarristen und Sänger Paulus Ott und seiner Schwester Anna noch junges Blut, das prächtig mit den „Oldies“ harmoniert.
Mit „Indiana“ eröffnet die Band ihr Programm. Gut drei Stunden später wird es mit dem Hit „What a wonderful world“ viel zu früh zu Ende gehen. Dazwischen ein köstlich buntes Allerlei aus Ohrwürmern und weniger bekannten Titeln. Mit dem „Basin Street Blues“ weht schon ein Hauch von New Orleans, von dem der mit ordentlich Schalk im Nacken moderierende Trompeter Kresse schwärmt, durch den Saal. Geschickt mischen die Musiker die Dixie- und Swingelemente mit kollektiven Improvisationen und ausgeklügelten Soli. Sie verstehen sich blind. Holdenried und Kresse machen seit 52 Jahren zusammen Musik.
„When your smiling“ gibt Anna Ott Gelegenheit, ihr ausgeprägtes Talent für songgerechte Interpretationen auszuspielen. Da lächelt der Saxophonpartner Andy Holdenried ganz verschmitzt dazu. Ohnehin gilt der professionelle Ernst nur der Darbietung. Ansonsten ist bei diesem „Hot Club d’Ellwangen“ mit Münchner Verstärkung an Gebläse und Bass entspannter Frohsinn angesagt.
Greifen wir aus der Menge der Elementarteilchen ein paar besonders hell strahlende heraus. Duke Ellingtons „Satin Doll“ mit Anna und einem fulminanten Paulus-Solo. Und wie die Sängerin „Mack the knife“ durch die Noten schleichen lässt, hat Gänsehautpotential. In „Aint Misbehavin“ finden sich Stimme und Tenorsaxophon zu einem fesselnden Duett zusammen.
Den so zuverlässigen wie sonoren Bass-Sound von Helmuth Schulz darf man ebenso wenig vergessen, wie das Schlagzeugsolo von Joseph Ott in „Sweet Georgia Brown“ und einen weiteren Ott-Sohn, der wieselflink die Finger über die Tasten von Thomass‘ Piano tanzen lässt. Sohn Paulus hat Vaters „Schießbude“ kaputt getrommelt, bevor er sich dann doch für die Gitarre entschieden hat. Ein weiser Entschluss, wie er in dem auch sängerisch zupackenden „Minnie the Moocher“ demonstriert.
Die „Route 66“ führt mit Anna schnurstracks zu den Zugaben. „Please don’t talk about me“ bittet Anna. Sorry, es wird sich nicht vermeiden lassen. Bevor die Zuhörerinnen und Zuhörer zum wunderschönen Schluss noch erfahren, dass es in diesen traurigen Zeiten noch eine „wonderful world“ gibt, lässt die Truppe mit vereinten Kräften den Klassiker schlechthin aufmarschieren: „Oh when the saints“.
Wolfgang Nußbaumer
(01.02.2026)
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