Verstärkt mit der Weltklassecellistin Raphaela Gromes haben die Vier mit Franz Schuberts Streichquintett in C-Dur eine Sternstunde romantischer Kammermusik beschert, bevor sie zu einer Konzertreise in die USA aufbrechen.
Nicht alles ist „Scherz“ gewesen an diesem denkwürdigen Abend in der gut besetzten Aalener Stadthalle. Wie der Name von Joseph Haydns gut gelauntem Streichquartett No. 30/2 in Es-Dur besagt. Aber mit federnder Leichtigkeit und einem fantastischen Gespür für die Details der Werke musiziert allemal. In die Hände von souveränen Klangzauberern wie ihnen gehört auch das entsprechende Handwerkszeug. Mit vier Stradivaris hat die Nippon Music Foundation sie bestens ausgestattet.
Die makellose Qualität ihres Zusammenspiels kommt nicht von ungefähr. 2010 haben die Münchner noch als Abiturienten ihr erstes großes Konzert gegeben. Seitdem sind sie zusammen auf den angesagten Konzertpodien dieser Welt unterwegs. Wer bei ihnen als Gast einsteigt, muss auf ihrem Niveau spielen. Wie die Cellistin Raphaela Gromes. Aus einer Musikerfamilie stammend, hat sie 2005 mit 14 Jahren ihr Debut mit einem Cellokonzert von Friedrich Gulda gegeben. Mit dem sonoren Klang ihres Instruments von Carlo Bergonzi aus dem Jahr 1740 unterfüttert und temperiert sie Schuberts spätes Meisterwerk in perfekter Kommunikation mit den vier anderen Streichern.
Dieses Streichquintett hat es mit seinen Extremen zwischen rasendem Forte und dem Versinken in Stille, zwischen himmelhoch Jauchzen und zu Tode betrübt in sich. Für die in Schubert verliebten Musici eine willkommene Gelegenheit, durch ihr großes Können diese Liebe mit dem Publikum zu teilen. Dass aus dessen Reihen immer wieder Zwischenapplaus aufflackert, stört leider den Spannungsbogen, der jeder Komposition innewohnt.

Der 1. Satz kann als Blaupause für das gesamte Werk gehört werden. Es geht auf und ab. Von dynamischer, expressiver Bewegung hin zu in sich gekehrtem Pianissimo und zurück. Im Adagio scheint tatsächlich die Zeit still zu stehen, so innig wird es interpretiert. Doch bevor man in der Entspannung der Pizzikati-Kommunikation zwischen dem 1. Geiger Florian Schötz und Raphaela Gromes versinkt, wird man schroff aufgeschreckt. Volles Kontrastprogramm bietet wieder der dritte Satz mit einem spritzigen Scherzo und einem sanft abtauchenden Trio. Wenn es in der Unterwelt so schön ist, wer möchte dann noch in den Himmel. Weshalb er das Rondo des 4. Satzes volkstümlich beschwingt mit süffigen Läufen der 1. Geige wieder auf die Erde locken lässt. Schon ist wieder Schluss mit Frohsinn. Das Finale lässt einen mit hektischen tonalen Friktionen zurück.
Zu Beginn haben die vier Musiker ihr Publikum mit dem schon erwähnten „Der Scherz“ vom „Vater des Streichquartetts“ vorgewärmt. „Das humorvollste Werk Haydns“, kommentiert Cellist Raphael Paratore. Vor allem wegen seinem durch Pausen konturiertem Finale.
Zwischen Klassik und frühe Romantik haben die Vier das neoklassizistische Streichquartett No. 4 der Polin Grazyna Bacewicz (1909-1969) platziert. Ein in seinen drei Sätzen spannendes, energiegeladenes, vielfarbiges Werk mit Transparenz und schroffen Eruptionen. Der dritte Satz mit seinem staccatoartigen, tänzerischen Duktus korrespondiert – wenn man so will – mit Haydns und Schuberts Finale.
Für den lang anhaltenden Beifall bedanken sich Quartett und Frau Gromes mit dem alpenländischen „Augenstern“ von Herbert Pixner. Vor dem Konzert hat Konzertring-Geschäftsführer Norbert Locher in die Werke eingeführt.
Wolfgang Nußbaumer
(14.02.2026)
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