Die zahlreichen Frauen, die in den vergangenen Jahrhunderten auf dem Schloss lebten und mit ihm verbunden waren, sind nicht mehr als Fußnoten in ihren Biographien. Die Künstlerin Eva Gentner hat sich auf eine Spurensuche begeben und sieben Artefakte neu geschaffen, die ihre vergessenen Geschichten erzählen. Zu sehen sind sie ab Sonntag, 12. September, in der Ausstellung „Narrative Void“ in der Kaplanei des Schlosses. Partner des Projekts ist der Süßwarenhersteller HOSTA.
Eva Gentner wurde in Ellwangen geboren und studierte bis 2017 an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Sie erhielt unter anderem das EHF 2010 Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Preis für Bildende Kunst der Stiftung Rainer Wild, das Stipendium für Bildende Kunst der Kunststiftung Baden-Württemberg (2018) sowie ein Stipendium an der Cité internationale des arts Paris (2019). Ihre künstlerische Praxis reicht von Malerei über Skulptur, Video, Literatur bis neue Musik und zeitgenössischem Tanz. Eva Gentner lebt und arbeitet in Mannheim.
Natürlich ist Geschichtserzählung nie objektiv. Sie entsteht immer aus der Perspektive der Erzähler:innen. Hinzu kommt, dass historisches Wissen nur auf den erhaltenen Überlieferungen basieren kann – was nicht weiterzählt und aufgeschrieben wurde, ist größtenteils für immer verloren.
Auch die Geschichtsschreibung der Burgherren von Schloss Kapfenburg bildet da keine Ausnahme. Im Ausstellungsraum der Kaplanei befinden sich etwa zwei Infotafeln, die die Geschichte der ehemaligen Deutscho rdensfeste zusammenfassen. Die Erzählung konzentriert sich dabei auf die herausragenden Momente, die mit ihr verbundenen Heldenfiguren und führt so unweigerlich zu Leerstellen.

Genau hier setzt die Künstlerin Eva Gentner an. Sie hat unerwähnt gebliebene Geschichten von sieben Frauen, die mit Schloss Kapfenburg verbunden sind, recherchiert und ergänzt die bis ins 8. Jahrhundert zurückreichende Geschichte mit einem Augenzwinkern um einige Mutmaßungen. Sieben neu geschaffene Artefakte erzählen so von wahren Begebenheiten um die Kapfenburg und hinterfragen dabei Erzähltraditionen, vermeintliches Wissen, das tradierte Frauenbild und ein konstruiertes Geschichtsbild.
Der Titel der Ausstellung Narrative Void (dt. „narrative Lücke”) spielt dabei auf jene Zwischenklänge und Leerstellen an, die im Nicht-Erzählten liegen und die die gängige Haupterzählung möglicherweise in ein anderes Licht rücken.
Info: Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 12. September, 16 Uhr wird Akademiedirektor Moritz von Woellwarth die Gäste begrüßen. Für musikalische Umrahmung sorgt Claudius Zott. Anmeldung auf www.schloss-kapfenburg.de oder telefonisch unter +49 7363 96 18 37. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten der Ausstellung im Rahmen der Schlossführungen an Sonn- und Feiertagen ab 14.30 Uhr sowie nach Voranmeldung unter +49 7363 96 18 0
Das Projekt wird durch HOSTA – Werk für Schokolade-Spezialitäten GmbH & Co. KG aus Stimpfach-Randenweiler gefördert, mit dem die Stiftung Schloss Kapfenburg einen neuen starken Partner an der Seite hat. „Wir freuen uns sehr über diese Partnerschaft. Durch die Unterstützung der Stiftung Schloss Kapfenburg möchten wir den Kulturbereich in der Region fördern“, erklärt die Geschäftsführerin Laura Opferkuch. Auch Akademiedirektor Moritz von Woellwarth ist sehr glücklich über diese Verbindung: Eine weitere regional ansässige Firma mit an Bord zu haben, stärkt die Arbeit der Musikschulakademie enorm. Mit Hosta haben wir einen verlässlichen und bestens aufgestellten Betrieb an unserer Seite.“
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