Mit dabei zwei Galerien von der Ostalb, die Galerie Zaiß aus Aalen und die Galerie Cyprian Brenner, die ihren Stammsitz in Hüttlingen-Niederalfingen hat.
Baden-Württemberg ist zwar ein Sammlerland, doch reicht der Radius, den Ewald Schrade bei der letzten von ihm kuratierten „art“ schlägt, wieder weit über dessen Landesgrenzen hinaus. Die Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe, Britta Wirtz, stellt denn auch fest, dass große Namen der Galerieszene wieder mit von der Partie sind. Mit dabei haben sie große Namen der klassischen Moderne zu Preisen, die sich nur sehr vermögende Sammler leisten können.
Für das kleinere Portemonnaie finden sich jedoch ebenfalls zum Teil wirklich bemerkenswerte Stücke bei Tafelbild und Plastik. Wobei man sich über die Preisunterschiede wundern darf. Neben erschwinglichen Newcomern stößt man auf Mondpreise frei nach dem Motto: Bin ich teuer, bin ich gut, bin ich namhaft. Ob die Rechnung aufgeht? Wenn man Glück hat, wird ein namhafter Galerist auf einen aufmerksam, entdeckt womöglich Umsatz förderndes Potenzial – und puscht seine Entdeckung auf dem Kunstmarkt. Ein Beispiel ist der erst 25 Jahre alte Leon Löwentraut. Mit seinen knallbunten, zauseligen Bildern, in denen sich Zeichnung und Malerei zusammentun, illustriert er hektische Betriebsamkeit, die ohne Tiefgang auf der Oberfläche surft. Dennoch zeigen Galerien weltweit seine Arbeiten – in seinem Fall eine Aufwärtsspirale.
Fündig wird indes auch, wer es kleiner, reduzierter, vielleicht von hintergründigem Humor geprägt mag. Muss ja nicht unbedingt Frank Zappa auf dem Klo sein. Apropos Klo. Welchen Erkenntniswert in Sachen Kunst die Installation von drei desolaten Toilettenkabinen nebst benachbarten ramponierten Duschen bietet, fragt sich nicht nur der Laie. Kunst aus Schrott und Schrott als Kunst – erlaubt bei dieser Schau ist auch, was subjektiv nicht gefällt. Ob die große Geste nicht eine leere Pose ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Vom Ostalbkreis aus gesehen, gibt es im Westen nichts Neues. Dafür Bewährtes, wie bei Zaiß und Brenner. Neben den üblichen Verdächtigen, denen man wegen ihrer qualitätvollen Ästhetik und ihrem narrativen Ideenreichtum immer wieder gerne begegnet (Michel Cornu, Marc Felten, Norbert Klaus, Werner Lehmann, dem elsässischen Urgestein Raymond E. Waydelich, Hannelore Weitbrecht und Sigi Zaiß) trifft man auf einen echten Knüller. Malerei und Plastik von Lambert Maria Wintersberger. Die frühen Landschaften des Künstlers, der im Oktober 2013 gestorben ist, sind eine Augenweide. Kein Wunder, dass der Künstler, der zusammen mit Markus Lüppertz, Karl Horst Hödicke und Bernd Koberling die Gruppe Großgörschen 35 in Berlin gegründet hat, heute in vielen namhaften Museen und Galerien im In- und Ausland vertreten ist.

Miriam Lenks monumentale Fleischlichkeit prägt den Skulpturenplatz vor dem Messestand der Galerie Cyprian Brenner.
Vor dem Stand von Cyprian Brenner fällt sein mit Figuren von monumentaler Fleischlichkeit bestückter Skulpturenplatz ins Auge. Miriam Lenks Feier des Leibes gibt’s noch im kleinen Format. Neben den feinen Kunstgeweben von Isa Dahl, surrealer Malerei von Mirko Schallenberg und Felix Rehfelds gemalten Bergwelten zeigt die Galerie neben anderen Hermann Försterlings Blütenlandschaften, Alirezah Varzandehs expressive Malstücke und Jens Hausmanns fotorealistische Architektur.
Noch eine Entdeckung. Die Galerie Thomas Fuchs zeigt expressive figurative Werke des 1968 in Ellwangen geborenen Dietmar Lutz. Er war Meisterschüler von Dieter Krieg und lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Noch ein kurzer Blick in den Pavillon von Kurator Ewald Schrade. Zum Abschied durfte der Messegründer eine Schau aus seinen eigenen Beständen auf Schloss Mochental zusammenstellen. Um eine erhaben in der Mitte des Raumes sitzende Skulptur von Dietrich Klinge gruppieren sich Tafelbilder und plastische Arbeiten. Von seinen „Lieblingen“ hat er gleich mehrere Werke aufgehängt. Die zart-berührenden Bilder wie „Frau Heimer“ von Eleonore Frey-Hanken, Christopher Lehmpfuhls pastose, mit Ölfarbe reliefhaft modellierte Landschaften, oder Walter Stöhrers große Formate, in denen der prägende Kunstprofessor den abstrakten Expressionismus weiterentwickelt hat. Man kann ihm nicht widersprechen, wenn er sich selbst auf die Schulter klopft: „Das ist eine mir wirklich verdammt gut gefallende Ausstellung geworden.“ Und insofern bleibt er sich auch seinem Credo treu: „Jede Messe ist eine Werbung für die nächste Messe.“
Info: die art Karlsruhe ist am 5. und 6. Mai von 11-19 Uhr sowie am Sonntag, 7. Mai, von 11-18 Uhr geöffnet. Tickets können vorab unter www.art-karlsruhe.de/ticket gebucht werden.
Wolfgang Nußbaumer
(04.05.2023)
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