Rackern für eine bunte Welt

08. Mai 2019

   Seit Anfang der Neunzigerjahre bezeichnet die aus der Stauferstadt stammende und in New York arbeitende und lebende Malerin Regina Baumhauer ihre Gemälde so. Diesen offenen Brief hat sie einem Landsmann gewidmet: „…, Framed, Die weiße Rose, für Gerhard Feuerle“. 

    „Ein wunderbares Bild im Rahmen der Erinnerungskultur“, freut sich die Museumsleiterin Dr. Monika Boosen über das großformatige Werk. Die Künstlerin hatte es dem Museum überlassen. Damit es den Nazigegner Feuerle, dessen Lebensspur sich nach diversen Schikanen durch das Regime am Ende des Kriegs unauffindbar verloren hat, dauerhaft als Mahnung im Bewusstsein der Nachgeborenen hält. 

    In den Weltstadt am Hudson River hielt man die „Weiße Rose“ bestenfalls für eine Blume, hat Regina Baumhauer festgestellt. Sie nimmt das den Menschen, die sich aus vielen Nationen und Ethnien rekrutieren, nicht übel. Schließlich ist New York damit der Prototyp einer „bunten“ Stadt. Damit taugt sie als Vorbild für Regina Baumhauers Vision einer besseren Welt. Vielfalt, die zusammenhält. Nur so ist für die äußerlich so zerbrechliche Frau Demokratie möglich.

    Als Voraussetzung dafür nennt sie die sogenannten SDGs (Sustainable Development Goals), die 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung. Deren Logos hat sie zum Gegenstand von handlichen Bronzerelieftafeln gemacht, die in ihren künstlerischen Anmutung Suggestivkraft entwickeln. Gedacht sind sie als Seiten einer Blindenbibliothek. Das ist ganz nach ihrer Art doppelsinnig gemeint. Was Blinde erspüren können, soll den Sehenden die Augen öffnen, für das, was wichtig ist. Frieden natürlich und die Bekämpfung von Armut; in Regina Baumhauers Ranking stehen Bildung und Gesundheit ganz oben. Bildung ist für sie der Schlüssel zur Welt – und was Gesundheit bedeutet, weiß sie selbst am besten. 

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   Im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Dr. Marion Vogt und dem Theologen Prof. Dr. Jörg Frey von der Universität Zürich erläutert Regina Baumhauer das Projekt „EdUcation 4 futUrE. Demokratie=Bunt“. Frey zeigt sich bei der Betrachtung der Blindenbibliothek „tief beeindruckt von der Kraft und der Energie, die vom Pinselstrich ins heiße Wachs ausgeht“.  Und sich ungebrochen in der Bronze mitteilt. Seit 1993 spiegelten sich biografische Bezüge und zeitgeschichtliche Ereignisse in ihren Arbeiten wieder.

    Ein wesentlicher Aspekt des Projekts ist die Umkehrung des Weges, den der 1816 in Schwäbisch Gmünd geborene Historienmaler Emanuel Leutze genommen hat. Jung kam er in die USA, studierte dann an der Kunstakademie Düsseldorf und kehrte 1859 wieder nach Amerika zurück. Sein berühmtestes Gemälde zeigt „Washington Crossing the Delaware“. Regina Baumhauer hat es in ihrer unnachahmlichen Art mit der Serie „Open Letter. Little Miss Liberty Crossing the Delaware“ paraphrasiert und dessen heroisches Pathos geerdet. So wie Leutze mit seinem Bild den Amerikanern Mut gemacht habe, solle jetzt diese Ermutigung wieder über den Atlantik zurückschwappen, ergänzt die Künstlerin.

   Die Kunst ist für sie jedoch nur der Transmissionsriemen, um die Sinne für die Bedeutung der SDGs zu schärfen. Wie am Donnerstag, 9. Mai, bei der Präsentation ihres die alltäglichen Probleme eines behinderten Menschen aufzeigenden Projektes im Foyer des Aalener Rathauses. Das Ziel „Wohlergehen/Gesundheit“ lautete das  Motto aller Aktionen und Gespräche, in deren Zentrum Regina Baumhauers  Anliegen stand, „mehr Bewusstsein und Verständnis für eine heimtückische Krankheit zu schaffen und vor allem gesunden Menschen die Angst davor zu nehmen“. 

   „Unheilbar optimistisch“, wie dieses von seiner Krankheit gezeichnete aber nicht geprägte Energiebündel ist, erlebte man eine höchst ungewöhnliche „Performance“. Sie endete mit einem angeregten Gespräch über die Kunst im Kontext von Regina Baumhauers Krankheit. „Ich mache, ich spiele – sonst kann man’s lassen“, stellt sie lapidar fest. Und wie sie das sagt mit einer Stimme, der man die Anstrengung anmerkt, weiß man „Widerspruch zwecklos“. 

Wolfgang Nußbaumer  

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