Ihre Mama sitzt im Publikum und hat sich bestimmt über das Lied gefreut, das sie ihr gewidmet hat. Zudem sind sie und ihr Partner am Piano, Jan Breson, Wiederholungstäter. Nachdem die beiden bereits im Oktober letzten Jahres im Speratushaus aufgetreten waren, hätte man ihnen für ihr Konzert zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe „Sommer in der Stadt“ ein größeres Publikum gewünscht. Zumal der Ellwanger Kultursommer sein 25-jähriges Bestehen feiern kann, wie Christoph Grohmann mit Staunen in der Stimme wissen ließ.
Wer nicht dagewesen ist, hat einiges verpasst. Ohne professionelle Manierismen ihr Auftreten, umso professioneller, was sie an eigenen Songs und Coverinterpretationen über die Rampe bringen. Anina Batz verfügt über einen beachtlichen Stimmumfang, den sie gekonnt einsetzt. Vom dramatischen Gefühlsausbruch bis zum kecken stimmlichen Augenzwinkern hat sie alles drauf. Exemplarisch zu erleben in ihrer Fassung des Klassikers „Summertime“ aus der Oper „Porgy and Bess“ und dem zu Herzen gehenden „Blackbird“ aus der Feder von Paul McCartney. Ihr Solo mit Gitarre, das an die große Bossa Nova-Interpretin Astrud Gilberto erinnert, zeigt, dass sie sich auch im lateinamerikanischen Fach nicht verstecken muss.
Nach der Pause drehen die Sängerin und ihr Mann am Klavier so richtig auf. Jan Breson zeigt im Duett, dass er auch Ukulele kann und sie wiederum neben ihm am E-Piano, dass ihr die Tasten nicht fremd sind. Die beiden verstehen sich ganz offensichtlich in allen musikalischen Belangen. Umso größer ist der Mehrwert für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die die einzelnen Songs heftig beklatschen. Und sogar mitsingen dürfen. Besser: mit scatten. „Schabschab’n dubi“ oder so. Da hält der Jazz kollektiv Einzug. Anina Batz hat alle Genres in sich aufgesogen. Sie kann aus dem Vollen schöpfen. Und tut es mit ansteckender Leidenschaft. Gleiches gilt für Jan Breson. Er interpretiert auf den Tasten ungemein sensibel den Musical-Klassiker „My favourite things“ von Richard Rogers
Gedankt hat dem Duo, den Aktiven von „Sommer in der Stadt“ und der VR Bank als bewährter Gastgeberin der Eröffnungsveranstaltung, vertreten durch Michael Eiberger, schon nach der Pause Bürgermeister Volker Grab. Am Ende schließlich steht langer, dankbarer Beifall.
Wolfgang Nußbaumer
(08.07.22)
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