Kunstvolle Figurinen und wolkiges Treiben zeigt eine Ausstellung von Traudel von Röthardt und Uli Natterer in der Zehntscheuer Abtsgmünd.
Der Andrang zur sonntäglichen Vernissage war groß. Über 120 Kunstinteressierte waren gekommen, um die jüngsten Arbeiten des Künstlerehepaares zu bewundern, das nach acht Jahren wieder einmal in seiner alten Heimat Abtsgmünd ausstellt. „Von der Puppe zur Figurine“, „Heiter bis sehr wolkig“ und „Opulente Minimalismen“ lauten die Titel der Ausstellung und spiegeln die Vielseitigkeit des künstlerischen Schaffens der beiden wieder, in das Eröffnungsredner Wolfgang Nußbaumer gekonnt und humorvoll einführte.
Bereits vor Ausstellungseröffnung wurden die Besucherinnen und Besucher vor dem Eingang zur Zehntscheuer von Schülerinnen und Schülern des Kurses „Literatur und Theater“ des Schubart-Gymnasiums Aalen unter der Leitung von Richard Haupt begrüßt und auf die motorisierten Wolkeninstallationen von Uli Natterer eingestimmt. Im Ausstellungsraum zeigte sich dann, dass bei seinem Gewölk im wahrsten Sinne des Wortes die Post abgeht und das wolkige Leben brummt. Auf seinen handfesten Wolken aus Pappmaché wird geflirtet, getanzt, geschaukelt, gesurft und sogar philosophiert. Die Wolken-Bevölkerung, sehr bewegliche Figuren beiderlei Geschlechts, tut dies alles in offensichtlich bester heiterer Stimmung. Eben wie schon der Titel „heiter und sehr wolkig“ sagt: alles sehr poetisch und skurril.
Eine ganz andere Seite zeigt Uli Natterer mit seinen experimentellen Druckgrafiken, die bisher noch nie gezeigt wurden. Unter dem Titel „Opulente Minimalismen“ präsentiert er drei Mappen mit farbigen Linolätzungen bzw. -schnitten auf ungewöhnliche Art und Weise: Die Drucke hängen nicht wie gewohnt an der Wand, sondern verbleiben auf dem Ausstellungstisch. Der interessierte Besucher kann aus diesen Mappen einige Drucke auswählen, die der Künstler dann kurzzeitig aufhängt, bis der nächste Gast seine Auswahl getroffen hat, so dass sich die Ausstellung stetig verändert.

Menschen vor Puppen – und Puppen vor ihren Entwürfen, zu sehen in der Zehntscheuer.
Bei Traudel von Röthardt geht es ruhiger, aber dennoch nicht weniger interessant zu. Neben den bekannten Holzpuppen und Gliederfiguren, naturalistisch geschnitzt aus Lindenholz, entstehen in der Werkstatt von Traudel von Röthardt ganz neue Objekte, die man als Figurinen oder Kunstpuppen bezeichnen könnte. Diese sind nun erstmals in der Zehntscheuer zu sehen. Im Vordergrund stehen nicht mehr nur das Lindenholz, sondern andere Zusammenstellungen von Materialien. Zwar bleibt die Puppe als „Fußnote“ erhalten und sichtbar, durch ihre Verfremdung bekommt sie aber eine ungebundene Zweckfreiheit.
Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Veronica Gonzales und Victor Mamani, die mit ihren elektrisierenden südamerikanischen Klängen weit mehr als nur begleitendes Beiwerk waren.
Info: Die Ausstellung ist bis 2. April samstags 13-17 Uhr, sonntags sowie an Feiertagen 11-17 Uhr geöffnet. Traudel von Röthard und Uli Natterer sind während der Öffnungszeiten anwesend.
pm/so
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