Selbst auf einem Segelschiff haben sie Hand angelegt, um das Land der alten Griechen nicht nur mit der Seele zu suchen. „Quadro Nuevo“. Das Resultat seiner musikalischen Suche hat das Quartett jetzt in der Großen Stallung im Ellwanger Schloss hören lassen. „Mare“ – phänomenal!
Mit dieser wasser- und von Blue Notes geschwängerten Klangreise haben Mulo Francel, Andreas Hinterseher, D.D. Lowka und Chris Gall nicht nur das Publikum im Schafstall verzückt, sondern auch einen Traum von Kulturamtsleiter Dr. Anselm Grupp wahr werden lassen. Eine win-win-Situation in jeder Hinsicht also.
In Südamerika sind die vier Musiker mit dem Tango infiziert worden. Nachhaltig. Denn dessen mitunter wehmutsvolle Melancholie durchzieht im Grunde alles, was sie spielen. Selbst wenn sie mal einen Zahn zulegen. Mit einem Stück ihres Bassisten D.D. Lowka, „Sambadi Didi“, bei dem das Gerät unter seinen wirbelnden Händen perkussiv einiges aushalten muss, starten sie in einen langen Abend. Dabei erfährt das Publikum vom Akkordeonisten Andreas Hinterseher, dass ein Bandoneon, das er so meisterhaft weltverloren zum Klingen bringt, in Brasilien tabu sei. Bloß nichts aus Argentinien.
Was Chris Gall mit seinem perlenden Stil aus den Tasten zaubert, kann wiederum überall bestehen. Ein Ohrwurm sein „Yorke’s Guitar“ mit einem süffigen Intro. Er hatte es für einen gfroßen Rockgitarristen geschrieben, der seltsamerweise kein Interesse an Galls Werk zeigte. Auf keinem Tonträger indes dürfte ein mit orientalischen Ingredienzien gewürztes und von einem ägyptischen Oud-Spieler inspiriertes Stück erscheinen – weil sie es immer improvisieren würden, erklärt der formidable Bläser (diverse Saxophone und Klarinetten) und Mandolinenspieler Mule Francel.
2008 haben sie die Ukraine bereist. Mit „Krim“ erinnern sie im zwischen Lachen und Weinen changierenden Saxophonklang an ein geschundenes Land. Versöhnlich endet der Abend mit einem echten Mozart: „Bona nox! Bist a rechta Ox“ und einer zum Träumen schönen sanften Melodie.
Wolfgang Nußbaumer
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