Giannas Liederabend Empfehlung

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 Gianna Nannini Gianna Nannini Foto: Gerd Keydell

„Ich bin sehr zufrieden“, stellt Gianna Nannini mit einem leichten Schnurren in ihrer immer noch messerscharfen Reibeisenstimme nach rund 100 Minuten fest.

2500 weitere Menschen im Hof von Schloss Kapfenburg sind ihrer Meinung. Lautstark. Denn was dieser Wirbelwind aus Siena, der vor kurzem – offiziell – 63 Jahre alt geworden ist, mit großem Aufgebot an solide rockenden Songs abgeliefert hat, ist vom brachialen Start mit „America“ an gleich in Arme und Beine gegangen.

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Die Fans sind von Anfang an aus dem Häuschen. Sie haben allen Grund dazu. (Foto: Peter Hageneder)

 

    Sie ist an diesem lauen Sommerabend richtig gut drauf. Von Beginn an rennt sie sich die Seele aus dem Leib, wenn sie ihre Fans mit Hits am laufenden Band selig macht.

     Power pur bläst die fünfköpfige Band mit „Aventuriera“, „Maledetto ciao“ und „Profumo“ aus den Boxen (balladesk geht’s los – und dann der Punk ab)., „Alles klar?“ fragt sie, aber das ist rein rhetorisch; glasklar! „Ragazzo dell’Europa“ vereint deutsche und italienische Fans aus der ganzen Republik.  „Fotoromanza“ geht die Primadonna des Italo-Rocks eher „slow“ an. Der Massenchor zeigt sich textsicher. Sie dirigiert ihn mit großem Vergnügen. Kurz wischt sie sich die Stirn ab – und wirft das Schweißtuch der Gianna ins Publikum. Wer’s gefangen hat, wird es künftig als Reliquie in Ehren halten. „Volare“ hebt leicht ab – bis schwere Gitarrenriffs den Flug konterkarieren. Das Reibeisen aus der Stimme, frischt – mit wenigen Ausnahmen - auch die Arrangements auf. Da muss das ganz in Rot gekleidete Streichersextett schon heftig fiedeln, um sich behaupten zu können. Zusammen mit den beiden Background-Sängerinnen verbindet sich alles zu einem satten Sound.

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Vergnügte Runde. So viel Spaß muss sein. (Foto: Keydell)

    Nach einem Intermezzo der Geigerinnen und Geiger kommt die Sängerin mit einem silbrig schimmernden Shirt auf die Bühne, nachdem sie zuvor in einer Jacke, die auch einem Zirkusdirektor stehen würde, Chefin in der Manege gewesen ist. Der „Latin Lover“, „Bello e impossibile“ – was für ein Fest. Hymne folgt auf Hymne, „Meravigliosa creatura“, „Sei nell’anima“ – und mit herbem Gefühl und bar jedes Schnulzenschmuses „Notti senza cuore“. Und immer noch ist nicht Schluss. Sie schäkert rustikal mit ihrer Band, klettert dem Lead-Gitarristen auf den Rücken, holt den Drummer an ihre Seite – die Lady weiß wie’s geht. Perfekt auf den Sekundenzeiger genau – und dennoch authentisch bis in die strähnigen Haarspitzen.  Zum Schluss steht sie ganz allein auf der Bühne. „Love“ steht auf ihrem Shirt. Sie verbeugt sich, drückt die Fans symbolisch an ihre Brust. Ciao Amica mia.

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Die Nannini mit ihren treuen Gitarreros. (Foto: hag)

    Einen besseren Abschluss des Festivals einer Internationalen Musikschulakademie kann man sich nur schwer vorstellen. Nach diesem hochemotionalen Liederabend können Akademiedirektor Erich Hacker und sein Team zufrieden Bilanz ziehen.

 

Wolfgang Nußbaumer

      

Letzte Änderung amMittwoch, 02 August 2017 10:54
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