Das Wunderbare im Leben Empfehlung

Das Wunderbare im Leben
Einen musikalischen Hochgenuss bereiteten die Echo Klassik Preisträger „German Brass“ den erwartungsvollen Zuhörern im Forum Schönblick.
Advent, die Zeit der Erwartung, ließ Kuno Kallnbach, der theologische Leiter des Schönblick in Schwäbisch Gmünd, in seiner Eingangsfrage anklingen.Treffe es noch zu, dass sich etwas unfasslich Wunderbares im Leben ereigne? 
    Im Konzert von German Brass jedenfalls brach das Wunderbare voll über die Zuhörer herein. Das „beneidenswerte Publikum des Abends“ - so der umwerfende Moderator und Trompeter Werner Heckmann - ließ das gefeierte Spitzenensemble nicht ohne zwei Zugaben aus dem Weihnachtsrepertoire vom Platz. Der Posaunist trat als Leadsänger mit „Rudolph, the red-nosed reindeer“ an die Rampe.  Von wegen trat, er tänzelte und tändelte popstarmäßig über die Bühne.
   Die weihnachtlichen Weisen des zweiten Teils führten potpourriartig durch die Welt. In den Arrangements von Posaunist Alexander Erbrich Crawford ließen immer wieder bekannte Lieder aufhorchen. „Kommet Ihr Hirten“, „Maria durch den Dornwald ging“, „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ erfreuten durch ihre Bekanntheit. Und keck-fröhlich reimte der Moderator dazwischen und führte französelnd in Richtung Frankreich oder stieg rutschend mit den spuckenden Lamas von den hohen Anden talwärts.
    Zehn Musiker in anthrazitfarbenen Anzügen mit gedeckt lindgrüner Fliege über dem weißen Hemd, Halt, eine Quotenfrau war auch dabei, standen im Halbkreis hinter ihren Notenständern mit ihren Blechinstrumenten. Dann stiehlt sich verstohlen noch ein elfter in den Saal und verschwindet hinter dem Schlagzeug. Viel zu tun hat er nicht. Ab und an ein paar Xylophontöne, fast so wie im legendären Triangelsketch bei Georg Kreisler. Doch dann traten die Blechbläser ehrerbietig an die Seite und überließen den Raum dem bescheidenen Schlagzeuger Herbert Wachter. Und der legte ein Drummersolo hin, das den Höhepunkt des Bigband X-mas songs bildete.
     Der erste Teil des Abends übertraf noch den zweiten an Musikalität. Vivaldi und Bach erklangen im maßgeschneiderten Blechkleid von Trompeter Matthias Höfs für German Brass designt. Die einzelnen Instrumentenstimmen erklingen klar unterscheidbar. Sie antworten aufeinander, grundieren, fordern heraus, treiben voran. Augenzwinkernd selbstbewusst ironisiert Heckmann, dass das Publikum nach diesen Arrangements vom Original nichts mehr hören will. 
    Tschaikowskis "Nussknacker" wird mit drei Tänzen vorgestellt. Abgelöst wird der spanische Bolero von betörend langsamen arabischen Schlangenbeschwörerweisen, gefolgt von einem russischen Volkstanz. Humperdincks Händel und Gretel lassen sich von den Sternen zu einer Immobilie führen, die sich dann als die falsche herausstellen sollte, so reimt Heckmann im leicht süffisanten Plauderton und befördert das alte Märchen flugs in die Gegenwart. 
     Mit einer fulminanten Adaptation von Gershwins "Raphsody in Blue" endet der großartige erste Teil. Noch einmal ziehen die Musiker alle Register, die Dämpfer tönen die Klänge ab. Das Xylophon platziert Töne dazwischen. Ein abwechslungsreiches Fest für die Ohren, das seinesgleichen sucht.                       wid

 

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