Die Drei vom Holzweg Empfehlung

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Tobias Reisige spielt schon mal gleichzeitig auf zwei Blockflöten, was Markus Conrads und Johannes Behr materialbedingt nicht schaffen. Tobias Reisige spielt schon mal gleichzeitig auf zwei Blockflöten, was Markus Conrads und Johannes Behr materialbedingt nicht schaffen. Foto: Peter Hageneder

„Ein besonderes Konzert“ hat Akademiedirektor Moritz von Woellwarth im Konzertsaal von Schloss Kapfenburg angekündigt. Das Trio „Wildes Holz“ hat sich denn auch als alles andere als zahm erwiesen.

   Für alle in früher Jugend durch Blockflötenunterricht Geschädigte ist Tobias Reisige der Therapeut schlechthin. Was er auf seinem reichhaltigen Instrumentarium von der Piccolo- bis zur übermannshohen Bassflöte zaubert, macht das Publikum im nahezu ausverkauften Saal fassungslos.

    Seit 25 Jahren ist er mit dem Kontrabass und Mandoline spielenden Markus Conrads „auf dem Holzweg“ unterwegs. Mitte 2018 starb ihr Gitarrist Anto Karaula. Ein Schock für die beiden andern. Erst 2019 sind sie auf die Bühne zurückgekehrt, mit dabei der algerische Gitarrist Djamel Laroussi. 2021 hat ihn Johannes Behr abgelöst. 

     Was diese drei musikalischen Berserker aus Klassik, Rock, Pop und Jazz sichtlich lustvoll verhackstücken geht auf keine Kuhhaut. Mit scheinbar leichtester Hand schreddern sie „Walk on the wild side“ von Lou Reed, mit dem sie ihren wilden Stilritt eröffnen, ebenso wie „Summertime“, die „Biene Maja“, „Born to be wild“ von „Steppenwolf“, den neapolitanischen Klassiker „O sole mio“, ein Boccherini-Stück, einige Takte aus Heinz Rudolf Kunzes „Brille“ und „The final countdown“, um die Schnipsel im Handumdrehen zu neuen Improvisationen zu ordnen. 

      Mit „Blue Rondo a la Turk“ erweisen sie nach der Pause dem amerikanischen Jazzpianisten Dave Bruebeck ihre Reverenz. Eine andere musikalische Textur haben „Weg“ und „Hin“, mit dem die Drei an den schon erwähnten Anto Karaula erinnern. Und „Jannis“, das Laroussi seinem Sohn gewidmet hat.

     Neben seiner fantastischen Musikalität ist das Trio reich gesegnet mit komödiantischem Talent. Zur „Star Wars“-Musik, die Tobias Reisige einschließlich Darth Vaders tiefen Atemzügen auf der ihn noch überragenden Flöte intoniert, gehen seine Kollegen mit Lichtschwertern aufeinander los. Was für ein Ironie gesättigter Spaß!

    Mit Grönemeyers „Mensch“, brillant gezupft auf der Mandoline (dem Instrument des Jahres 2023), und einem irischen Trinklied geht es auf die Zielgerade. Dort schieben sie ganz gemächlich noch „Die runde Kugel“, bevor sie mit „Highway to hell“ von „AC/DC“ beweisen, dass man auch mit Holz Schwermetall verarbeiten kann. Oder Metall. Geiger Conrads entlockt als Zugabe mit dem Geigenbogen einer Säge den „Titanic“-Song „My Heart will go on“. Wem da nicht die Lachtränen kommen.

Wolfgang Nußbaumer 

(01.10. 2023)

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