Herz wie Herrera

Foto: Peter Hageneder Foto: Peter Hageneder

Der kubanische Liedermacher gibt in der Quirinuskirche sein Essinger Debut.


Javier Herreras Solo in der evangelischen Quirinuskirche zur Einstimmung auf den Weltgebetstag der Frauen am Freitag, 4. März, ist gleichzeitig sein Debut in Essingen. Der sympathische Liedermacher von der Zuckerrohr- und Zigarreninsel in der Karibik lebt mit seiner Familie seit vielen Jahren in der Gemeinde. Nun hat sie den Propheten im eigenen Land endlich er- und gehört. Stilvoll. Schließlich ist der Weltgebetstag in diesem Jahr den Frauen Kubas gewidmet.


Als er zum Schluss berührend zärtlich den Hit „Bésame mucho“ für seine persönliche große Liebe intoniert, dürfen sich auch die Frauen seiner fernen Heimat mit gemeint fühlen. Ihnen hat ein anderer Komponist bereits mit dem Lied „Guantanamera“ (für die Frauen von Guantanamo) ein Denkmal gesetzt. Bei Herreras Interpretation singt plötzlich die ganze Besatzung des Kirchenschiffs mit.

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Eingestimmt hatte sie der charismatische Liedermacher mit einer kleinen lateinamerikanischen Hitparade wie „Cuando caliente el sol“, „La Paloma“ (das tatsächlich nicht von Hans Albers stammt...) und einer Reminiszenz an seinen Landsmann Ibrahim Ferrer und dessen Buena Vista Social Club. Ferrer zählte schlappe 70 Lenze, als er von dem amerikanischen Gitarristen Ry Cooder  „entdeckt“ wurde. Herrera ist 61; da darf man noch einiges erwarten.


Mit acht Jahren ist die Liebe zum Gitarrenspiel in ihm erwacht, erzählt er zwischendurch in seinem spanisch eingefärbten Deutsch. Aber er sei kein Virtuose, wie der große blinde Liedermacher José Feliciano aus Puerto Rico. Ein paar Akkorde, ein paar einfache Melodien, mehr sei bei ihm nicht drin. Dann spielt und singt er Felicianos „Que sera“ – ein paar Akkorde, eine einfache Melodie – mit seiner wärmenden Stimme und kräftigen Fingern, bei denen die Saiten der akustischen Gitarre in besten Händen sind -  wunderschön!


Javier Herreras deutsches Lieblingslied hat programmatischen Charakter. „Die Gedanken sind frei“. Freiheit, sagt der Mann aus Kuba, Freiheit sei ein hohes Gut. Und wer sie genießen dürfe, sollte Fremden mit Respekt und Achtung begegnen. Er fasst diese Botschaft in ein kubanisches Lied. Nur dann, so darf man ihn verstehen, hat man auch ein Recht zu Lachen, zu Tanzen, Musik zu machen und die Freude am Leben zu genießen. Javier Herrera jedenfalls hat seinen Essingern viel Lebensfreude beschert. Dafür haben sie ihm mit langem Beifall gedankt.                  jow

Info: Mehr von Javier Herrera findet man auf „youtube“ und seiner Homepage www.javierherreratrio.de

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