Ganz großes Gebläse

04. Nov. 2025

   Es ist voll auf seine Kosten gekommen. Weil die beiden Bands sich mit ihren Stücken nicht nur aus der Swingklassik bedient haben, sondern auch zeitgenössisch funkig elektrisiert haben. Eröffnet haben das Konzert die von „Obi“ Jenne vor 20 Jahren gegründeten Porscheaner mit einem schon 1930 komponierten Klassiker, „On the sunny side oft he street“. Überwiegend sonnig wird es an diesem heiteren Abend weitergehen. Nicht nur in der launigen Moderation von Meinhard „Obi“ Jenne, der die Truppe aus Stuttgart auf Kurs hält. Auch die Titel klingen alle positiv; selbst wenn die Texte mitunter dramatische Ereignisse schildern, wie Mathias Kucharz bei seiner Anmoderation des Ostalb Jazz Orchestra feststellt.

   Munter geht es unter Obi Jennes zupackender Leitung voran. Über Count Basie, Sammy Nestico, Glenn Miller und Roger Cicero bis Tom Jones. Originale und Coverversionen. Echt klingen sie alle, weil die Band, deren Mitglieder schnelle Autos bauen, genau so präzise bei der musikalischen Arbeit ans Werk gehen. Und mit ausgeprägtem Groove-Instinkt. Das Jazz-Urgestein Sammy Nestico hat für Jennes Band die „Windmachine“ geschrieben, „das schnellste Stück der Jazzgeschichte“, kündigt er lächelnd an.

   Seit zwei Jahren verstärkt der Sänger Samir das Ensemble. Mit „Saturday Night“ wandelt er gekonnt auf den Spuren von Frank Sinatra und „Ich atme ein, ich atme aus“ und „Zieh die Schuh aus“ auf jenen des früh mit 46 Jahren verstorbenen Roger Cicero. Als Zugabe liefert er noch eine rasante Hommage auf den Soul- und Funk-Superstar James Brown ab. Zuvor darf das Publikum beim Hit aus der „West Side Story“ „Mambo“ rufen und sich von Glenn Miller ins Rampenlicht transportiertem „Tuxedo Junction“ via Trompetersektion mit dem Swingvirus impfen lassen.

 

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   Alles kann man gar nicht würdigen, sonst käme Gerhard Otts „Ostalb Jazz Orchestra“ zu kurz. Das startet nicht minder temperamentvoll mit „Sweet Lucy“ sein Programm. Stimmgewaltig sattelt Norbert Botschek mit „Wonderwall“ nach. Der bringt später noch mit einer mitreißenden Interpretation von „Me and Mrs. Jones“ von Billy Paul den Saal zum Kochen. Wer bis jetzt noch nicht mit erhöhter Temperatur zugehört hat, bei dem sorgt das hinreißende Posaunensolo von Gerald Kammerer für „Fever“. In der „Brass Machine“ tummeln sich die vier Trompeter blitzsauber in höchsten Höhen. Ellingtons „It don’t mean a thing“ swingt singend Karin Ott. Dass sie über eine fulminante Rockröhre verfügt, zeigt sie in Stevie Wonders „Superstition“.

   Mit „Hey Burner“ erweist auch das OJO dem Altmeister Sammy Nestico seine Reverenz, bevor es mit Benny Goodmans „Sing, sing, sing“ und einem brillanten Solo von Frieder Scherer auf der Klarinette wieder in die Swingklassik zurückgeht. Abwechslungsreicher könnte es nicht sein, zumal Norbert Botschek und Karin Ott mit dem „Soul Man“ nochmals vehement. durchstarten.

   Ein Highlight zum Schluss. Für „Obi“ Jenne räumt Tobias Schaible seinen Platz am Schlagzeug. Wie der Bandleader aus Stuttgart in „Caravan“ die Stöcke wirbeln lässt, ist eine Show für sich.

    Im Verlauf des Abends hat sich Sebastian Hahn als Vorsitzender der Jazzinitiative Ellwangen noch bei der Schulleiterin Stella Herden für die immer großzügig gewährte Probenmöglichkeit bedankt, und sie dafür zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Sie geht nächstes Jahr in den Ruhestand.

Wolfgang Nußbaumer

(04.11.2025)

 

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