Ergiebige „Butterfahrt“ im „Room“

09. Nov. 2025

   Der Pianist Markus Becker und der Kontrabassvirtuose Olaf Casimir haben mit dem Begriff ihr Jazzfest-Konzert am Samstagnachmittag überschrieben. Weil sie über alle möglichen Grenzen segeln und überall anlegen? Mag sein. Titel sind bei diesem begnadeten Duo ohnehin Schall und Rauch. Was zählt ist die Musik. Warm, intim, klar, melodisch mit einigen jazzigen Attacken. In der Summe Wohlfühlmusik, die den Ort mit seiner hervorragenden Akustik in einen behaglichen Klangraum verwandelt. Deshalb vergehen die gut 90 Minuten für das Publikum viel zu schnell. Läuten Becker und Casimir viel zu rasch die „Letzte Runde“ ein. „Schade“ sagt man spontan.

   Wenigstens haben die beiden ein Einsehen, bitten noch zum fröhlich-optimistischen „Elfentanz“; konterkarieren ihn jedoch sogleich mit einem „Nachruf“ voller Ernst auf den schwarzen Tasten (in Ges-Dur verrät der Pianist), bevor sie sich mit „einem echten Applauskiller“ (warnt Becker verschmitzt) vom Acker machen. „Hugo sucht“, sehr frei nach Hugo Wolf, der einst ein riesiges Liedschaffen hinterlassen hat.

   Doch zuvor geht’s ohne Schirm in den „Regen, Regen“. Kein Problem, so lange es so angenehm von den Tasten tröpfelt. Sehr ernst beginnt die „Prozession“, die würdevoll gemessenen Schrittes dahinzieht. Dennoch kein Grund Trübsal zu blasen, weil es die beiden Musiker faustdick hinter den Ohren und den Schalk im Nacken haben. In „Marrakesch“ grundiert Casimir Beckers engagierte Laufarbeit mit ostinatem Bass.

 

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   Hin und her geht es zwischen dem Ausflug nach Marokko und deutschem Schaffensdrang. In „Mach hin“ schlägt der Pianist zwar schrille Töne an, taucht dann in Traumsequenzen ab und dreht alles mit skurrilem Witz durch seinen musikalischen Fleischwolf. Melancholisch geprägt ist der „Abstiegskampf“, von Trübsinn jedoch keine Spur. Ein „Krake“ darf sogar mit einer hymnischen Kadenz durch das Meer gleiten.

    „Es geht noch ernster“, kündigt der Tastenmann an.  Und wandelt mit dem „Farbenklavier“ auf Alexander Nikolajewitsch Skrjabins Spuren. Der russische Komponist und Klaviervirtuose, der 1915 in New York an einer Blutvergiftung gestorben ist. wollte mit diesem Klavier Klänge in real leuchtende Farben umsetzen. Ein Moskauer Chemiker hat ihm dazu ein Lichtklavier konstruiert.  Markus Becker muss sich zwangsläufig damit begnügen, die Farben in Klänge umzusetzen. Was für einen Künstler, der den extrem schwierigen und komplexen Max Reger intus hat, kein Problem darstellt. Ein vielfarbiges Unternehmen, das nochmals sein immenses Können beweist. Und Kollege Casimir malt mit seinem warmmelodiösen Bassklang kongenial mit. Was will man mehr. Sehr herzlicher Beifall im „Room“.

Wolfgang Nußbaumer

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