Die Stadt, in der er zuhause war

17. Jan. 2026

   Der in Ludwigsburg geborene Künstler ist nach Kriegsgefangenschaft und Kunststudium in Stuttgart der Liebe wegen nach Ellwangen gekommen, wo er 1953 seine Frau Anni Zeller kennengelernt hatte. Zwei Jahre später haben die beiden geheiratet. Sie ist zu einer entscheidenden Konstante in seinem Leben geworden. „Ohne Anni würden wir das heute hier nicht so sehen“, hat die Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Annette Zeller, deren Einfluss gewürdigt.

   Bis zu seinem Tod am 2. November 2000 hat Karl Heinz Knoedler als Maler, Bildhauer und Grafiker ein umfangreiches Werk geschaffen. Seine Kunst im öffentlichen Raum, wozu in Ellwangen allein mehrere Brunnen und Plastiken zählen, ist vor allem in den Siebzigerjahren entstanden. Ein Betongeviert auf dem Friedhof in Stödtlen und die künstlerische Gestaltung des Ellwanger Wellenbades markieren den Endpunkt der fruchtbarsten Phase des Künstlers mit Arbeiten im öffentlichen Raum. Während diese plastischen Kreationen jedermann zugänglich sind, wäre die aktuelle Ausstellung im Schloss nicht ohne die Bereitschaft zahlreicher Leihgeber möglich gewesen, ihre Bildschätze herauszurücken. Ihnen hat Annette Zeller ausdrücklich gedankt.

   „Die Türme, die Häuser, das Flair der Stadt – immer erkennbar, doch jeder Fotografie überlegen“, wirft Zeller einen Blick auf die überwiegend kleinformatigen Bilder. „So sind es Farben des inneren Auges, aufstrebende Türme und wogende Dachlandschaften, festgehalten mit kräftigem oder feinem Pinselstrich“. Es sind sehr atmosphärische, genau beobachtete Sujets, die jedoch ohne idyllischen Zuckerguss erfreuen. Mit einem Hinweis, die den gesellschaftlich engagierten Künstler charakterisiert, greift Annette Zeller über die Beschaulichkeit der Stadtbilder hinaus: „Er sendet mit seinen Arbeiten Botschaften, die noch immer aktuell sind“. Botschaften gegen den Krieg, gegen den verantwortungslosen Umgang mit Technik, gegen die Zerstörung der Umwelt.

 

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Eine Lilienplastik und ein großformatiges Bild vom Kirchplatz mit Marktständen als klar strukturierter Blickfang.

 

   Der Kurator der Ausstellung, Bernhard Maier, schlägt den Bogen zwischen „mit großer Linearität“ gemalten großformatigen Ellwangenbildern und Knoedlers Mitte der Sechzigerjahre entstandenen „wilden“ abstrakten Gemälden. Klar konturierte Arbeiten wie „Markt auf dem Kirchplatz“ von 1958 sieht er noch von der Begegnung mit dem französischen Maler Fernand Léger in Paris inspiriert. Schließlich erinnert Maier noch an Knoedlers Lust am Material, die er im Beton ebenso auslebt wie in Glasfenstern oder der Herstellung von Schmuck, den die zahlreichen Vernissagegäste in einer Vitrine betrachten können.

   Ein besonderes Schmankerl hat der Leiter des städtischen Kulturamtes, Dr. Anselm Grupp, mitgebracht; ein Interview des Süddeutschen Rundfunks mit Knoedler von 1953. Darin postuliert der 27 Jahre alte Künstler: „Kunst darf niemals nach dem Zeitgeist schielen!“ Diese Maxime hat er sein Leben lang beherzigt. Grupp kündigt noch an, dass die Stiftung verschiedene Projekte wie einen Flyer und die Digitalisierung von Arbeiten in Angriff nehmen werde. Und vielleicht könne man aus Filmmaterial über Knoedler noch einen kleinen Film zusammenbauen.

   Für die passende Musik haben in bewährter Weise der Saxophonist Christian Bolz und der Gitarrist Tobias Knecht gesorgt.

   Info Die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Karl Heinz Knoedler „Ellwangen. Seine Stadt“ ist bis 8. Februar 2026 Samstag und Sonntag von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Umfassend über das Werk des Künstlers informiert das Buch „Karl-Heinz Knoedler – Kreativität im Widerspruch. Stationen einer Handschrift“, erschienen 2001. Weitere Infos unter www.kh-knoedler.de 

 

Wolfgang Nußbaumer   

(17.01.2026)

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