Die in Stuttgart lebende Kunsthistorikerin Vivien Sigmund hat kenntnisreich in das Schaffen der drei Künstlerinnen eingeführt. Dezernent Karl Kurz hat zu Beginn die Ausstellung als ein Aushängeschild für die vielfältige Kunstszene im Ostalbkreis bezeichnet und die Bedeutung von Bildung und Kultur hervorgehoben. Den Primat der Bildung verkörpern im Wortsinne die drei Kunsterzieherinnen.
Für Vivien Sigmund liegt der Fokus der Arbeiten auf der reinen Form. Sie bescheinigt ihnen eine „schillernde Offenheit“, weil die Funktion eben keine Rolle spielt. Amelie Jack aus Ellwangen erkundet Form und Farbe auf einer bereits beschnittenen alten Linolplatte, wobei dem Zufall in diesem geometrischen Duktus eine mitschaffende Funktion zukommt. Für Sigmund ein probates Mittel, um Neues zu erreichen. Mit Gummistempeln, Linoldruckfarben, Buntstiften, Schablonen, mit Auslassungen und Ergänzungen stelle sie die Urform prozesshaft experimentierend künstlerisch vielfältig in Frage.
Silke Schwab-Krüger hat ganz naturnah Ahornblätter abgedruckt, die sie zuvor in eine Gelplatte gepresst hat. Diese hat sie dann wiederum abgedruckt. „Farblich verfremdet, mehrfach überdruckt und überschnitten, bekommt die zartgliedrige Finesse dieser Naturform eine erstaunlich ungewöhnliche, fast schon schillernd ornamentale Prägnanz“, stellt die Rednerin fest. In einer weiteren „schwindelerregenden“ Serie hat die Künstlerin mit der Kaltnadelradierung Bild gewordene Wirbelstürme geschaffen.
Bei Stephanie Gelse dreht sich alles ums Papier. In ihren „fast schon mikrokosmischen Scherenschnitten“ huldigt sie mit hoher assoziativer Anmutung der reinen Form. Vivien Sigmund bescheinigt den Arbeiten eine „grandios vibrierende Vitalität“. „Da fächern sich Verästelungen übers Papier wie enthemmte Blattrippen, lose Blattformen vernetzen sich zu filigranen Gebinden, tänzerische Formen erheben sich elegant über die Grenzen der Zweidimensionalität.“
Fesselnde musikalische Akzente haben Tanja Gold-Hagel mit ihrer starken Soul-Stimme und Stephan Behr am Klavier gesetzt.
Info: Die Ausstellung ist bis 7. November zu den Öffnungszeiten des Landratsamts zu sehen.
Wolfgang Nußbaumer
(26.09.2024)
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