So ist dessen Titel „After you, Mr. Goodman“ auch Programm der beiden Österreicher.
„Nach Ihnen“ könnte man den Titel übersetzen. Wobei er sowohl als Hommage wie auch als Chronologie verstanden werden könnte. Das trifft jedenfalls auf die beiden Kompositionen zu, die das Duo zu Beginn und am Ende spielt. 2001 hat der slowenische Jazzpianist Jaka Pucihar seine erste Sonate für Klarinette und Klavier geschrieben; ein quirliges und zugleich entspannt wirkendes Stück.
„Den zweiten Musiker kennt auch niemand“, stellt die Klavierprofessorin Väth-Schadler trocken fest. Im Gegensatz zu Pucihar kennt ihn wenigstens Wikipedia. Immerhin war Georges Marty im Paris des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts als Komponist, Dirigent und Leitungspersönlichkeit eine große Nummer. Seine „Première fantaisie pour clarinette“ ist ein typisches Bravourstück, das er für einen Wettbewerb am Pariser Konservatorium geschrieben hat. Eine Hoch-Tief-Konstruktion im spätromantischen Duktus; auch für ungeübte Ohren noch gut erträglich.
Wie überhaupt das gesamte Programm des Professorengespanns aus Klagenfurt eher entspanntes Vergnügen bereitet hat, denn akademische Konzentration. Damit Hubert Salmhofer für die in einer anderen Tonart geschriebene Komposition von Jean Francaix seine Klarinette umrüsten kann, überbrückt seine Partnerin die Zeit mit drei exquisiten Préludes von George Gershwin, in denen die Schubert-Spezialistin ihre prägnante Anschlagskultur vorstellen kann.
„Wegen seiner rhythmischen Feinheiten“ interpretieren sie gerne das „Tema con Variazioni“, das Francaix 1974 für einen Prüfungskandidaten des Pariser Konservatoriums komponiert hat. In der Tat bieten die acht kurzen Sätze vom Largo bis zum Höllenritt des abschließenden Prestissimo eine Fülle an Klang und Rhythmen. Gemäß der Devise ihres Schöpfers, „Musik, die Freude macht“, zu bieten.
Freude macht auch Leonard Bernsteins frühe „Sonata for clarinet and piano“ in deren zweitem Satz die Melodie von „I like to be in America“ aus dessen Musical „West Side Story“ anklingt. Brillant, wie sich im Vivace die beiden Instrumente in blindem Einverständnis umspielen.
Mit dem Klassiker „Stompin‘ at the savoy“ erweisen die beiden Österreicher schließlich dem „King of Swing“ ihre Reverenz. Fast entschuldigend erklärt Hubert Salmhofer, „als klassisch ausgebildete Musiker“ versuchten sie Jazz zu spielen. So klingt der Goodman-Titel denn auch, ein bisserl akademisch. Mehr „Feeling“ schwingt mit bei dem mit einem Hauch von Blue Notes gewürzten „Clarinet a la King“.
Dem Ungarn Béla Kovács ist ein Teil des Programmtitels für seine 2004 entstandene Komposition „After you, Mr. Gershwin“ zu verdanken. Dessen Hommage an den Schöpfer der Oper „Porgy and Bess“ spielt das Duo zum Schluss als Erinnerung an den im November letzten Jahres gestorbenen Klarinettisten. Nicht ohne ein Augenzwinkern. Als Salmhofer immer wieder in ganz tiefe Lagen abrutscht, schüttelt die Pianistin den Kopf, blickt auf seinen Notenständer – und dreht die Partitur um. Dann klappt’s.
Für den rauschenden Beifall bedanken sich die beiden Virtuosen mit einem Bernstein-Rondo und dem „Solo Flight“ des wegweisenden Goodman-Gitarristen Charlie Christian.
Wolfgang Nußbaumer
(15.08.22)
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