A Cappella-Sternstunde

04. Aug. 2026

Fünf vor Sieben hat „Quintense“ den melancholischen deutschen Titel „Viertel vor Sieben“ angestimmt, der in einem Text von Reinhard Mey vorkommt. Dann war endgültig Schluss. Zuvor hatte das Quintett aus Leipzig a cappella das sonntägliche EKM-Konzert in der voll besetzten Wallfahrtskirche Hohenstadt zu einer Sternstunde ambitionierter Pop-Musik gemacht. 

    Die drei Männer und zwei Frauen haben nicht nur brillant gesungen, sondern auch noch Geschichten aus ihrem Leben erzählt, die zu den einzelnen Titeln gepasst haben. Ihren Trennungsschmerz nach einer in die Brüche gegangenen Beziehung hat Katrin Enkemeier erfolgreich mit Kuscheln in ihrem Bett bekämpft. „All I need“ von Jacob Collier haben die Fünf aus Leipzig dann angestimmt – „Alles, was ich brauche“.

   Alle sind musikpädagogisch tätig und damit alles andere als abgehoben. „Nahbar“ heißt das heute. Persönliches Erleben fließt in die kunstvollen Arrangements ein, deren Vielschichtigkeit einen staunen lässt. Manchmal klingen sie wie ein ganzes Orchester. Dann laufen der Bass Martin Lorenz und der Bariton Jonas Enseleit als virtuose Beatboxer zur Höchstform auf. 

    Ohnehin spielen sich die Fünf, die sich an der Musikhochschule in Leipzig kennengelernt haben, die musikalischen Bälle mit atemberaubender Leichtigkeit zu. Das beginnt mit dem Klassiker von Richard Rodgers „My Favorite Things“ und endet im ausgedruckten Programm mit „Friend in Me“ von „The Walls Group“. Wer möchte mit dieser Truppe nicht befreundet sein. (Um sie noch näher kennenzulernen, empfiehlt sich ein Blick auf ihre Website www.quintense.de)

    Eines der schönsten und berührendsten Stücke steht nicht im Programmheft. „Blackbird“ von Paul McCartney, in dem er die Diskriminierung einer schwarzen Frau in den USA thematisiert. Auch ein Stück über die Wichtigkeit von Achtsamkeit, das die beiden Frauenstimmen zwar innig, doch mit luftigem Timbre anstimmen, bevor sich die Beatboxer einschalten. Ein signifikanter „Human Error“. So der Titel eines weiteren Songs.

     Ohne Quiz geht bei „Quintense“ kein Auftritt über die Bühne. Ganz einfach. Sabrina Häckel ruft zwei Begriffe ins Publikum – und das antwortet mit dem, den es lieber mag. „Berg“ oder „Meer“. Ohne „Words“ geht’s halt nicht. Weshalb „Words“ von „The Real Group“ zwangsläufig auf dem Programm steht. „Another Day in Paradise“ von Phil Collins ist ebenso exquisit arrangiert und von Tenor Stefan Intemann interpretiert wie Alicia Keys‘ Song über einen Außenseiter: „Underdog“, oder „Brooklyn“ von Malinda mit dem 5/4-Takt als Herausforderung.

     „Iscariot“ der US-amerikanischen Indie-Rock-Band „Walk The Moon“ ist der einzige Titel mit biblischem Bezug. Das erklären sie fast schon entschuldigend, weil sie mit ihren Pop-Songs ja in einer Kirche auftreten. Noch ist es nicht Viertel vor Sieben, aber leider schon Zeit für die Zugaben. „Unwritten“ (Ungeschrieben) der britischen Sängerin Natasha Bedingfield und „Get together“ als „Extranummer“ stimmen sie an. Mit dieser A Cappella-Gruppe würde man sicher gerne nochmals zusammenkommen. Das verrät der herzliche Schlussbeifall deutlich. 

Wolfgang Nußbaumer      

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