– Nach fünf erfolgreichen Monaten geht am Sonntag, 27. September, die Ausstellung „Hans Hartung und die deutsch-französische Freundschaft“ zu Ende, die unter der Schirmherrschaft des scheidenden französischen Generalkonsuls in Stuttgart Gaël de Maisonneuve stand. Nur noch eine Woche können Meisterwerke des Klassikers der Nachkriegsmoderne in Galerie im Prediger erlebt werden, bevor sie unter anderem zur Fondation Hartung-Bergman in Antibes zurückreisen.
Einen ersten Schwerpunkt legt die Ausstellung auf unbekanntere Werke Hans Hartungs aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, während dem der in Leipzig geborene Künstler in der französischen Fremdenlegion gegen Deutschland kämpfte und Bein verlor. Wie er diese traumatischen Erfahrungen in seinen von schwarzen Linien geprägten, abstrakten Gemälden verarbeitete, faszinierte ein Stuttgarter Sammlerehepaar besonders: Die Psychiater Greta und Ottomar Domnick die Werke Hartungs, der nach dem Krieg in Paris lebte, eine Wanderausstellung französischer abstrakter Kunst durch Deutschland zu organisieren. Ein diplomatischer Coup aus Liebe zur Kunst! Kraftvolle Spätwerke des Künstlers aus seinem letzten Lebensjahr, 1989, gleichzeitig einem Schicksalsjahr der europäischen Geschichte, schließen die Schau ab.
Besonders lebendig wurde die Ausstellung bei den Veranstaltungen aus dem Begleitprogramm. Die Eröffnung war gleichzeitig der Festakt zu 50 Jahren Städtepartnerschaft mit Antibes und wurde gemeinsam mit Ehrengästen aus der Partnerstadt gefeiert. Im Juli hielt die Leiterin der Sammlung Domnick in Nürtingen, Vera Romeu, einen Vortrag und stellte die These auf: „Kunst wirkt als Friedensinstrument“. Darin erzählte sie, wie auf dem neutralen Boden der Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg erste Begegnungen zwischen Menschen aus Frankreich und Deutschland stattfanden. „Kunst wirkte viel früher friedensstiftend als Diplomatie, Politik und Wirtschaft.“ Eine Erfahrung, die Hoffnung für aktuelle Konflikte schenkt.Auch sonst war das Interesse an der Ausstellung groß: Besucher und Besucherinnen reisten extra aus Berlin oder München an, darunter interessiertes Fachpublikum.
Eine letzte Gelegenheit für eine öffentliche Führung bietet sich am Sonntag, 27. September, um 15 Uhr: Unter dem Titel „Ottomar Domnick und Hans Hartung – Kunst und Therapie“ geht die Kunsthistorikerin Romana Wojtynek am letzten Ausstellungstag besonders auf den Blick des Psychiaters Ottomar Domnick auf die abstrakte Malerei Hans Hartungs im Kontext der Nachkriegszeit ein.
Eintrittspreise: Erwachsene 5,00 Euro / ermäßigt: 3,00 Euro; Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Museumsvereins: Eintritt frei
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 14–17 Uhr, Donnerstag 14–19 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 11–17 Uhr
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