Nachgehakt

Die herbe Ostalb – so bunt

So lange ist das noch gar nicht her, dass die Ostälbler nach Stuttgart gefahren sind, wenn sie außer Klassik-Konzerten Hochkultur erleben wollten. Inzwischen treten zum gleichen Zwecke immer mehr Hauptstädter die Fahrt gen Osten an. Gemeinhin war in dieser Richtung früher bei Schorndorf das Ende der Welt erreicht. Weiterfahren war riskant. Man konnte ja über den Rand der Erdscheibe fallen.

     Wann „früher“ geendet hat, lässt sich ziemlich genau datieren. Mit der Gründung des Theaters der Stadt Aalen 1990 und einem legendären Konzert der Jazzikone Miles Davis in der Stadthalle der Kocherstadt wenige Monate vor seinem Tod. Organisiert hatte den Auftritt des Trompeters der noch blutjunge Verein „kunterbunt“. Und ihn von Stuttgart nach Aalen mit einer großvolumigen Limousine kutschiert der ebenfalls noch junge Intendant des Theaters, Udo Schoen. Der charismatische Theatermacher starb allzu früh an Krebs. Ich erinnere mich, wie er frisch operiert von seinem Krankenbett im Ellwanger Kreiskrankenhaus aus per Laptop eine Veranstaltung im Café Spielplatz (meine ich) moderiert hat. Schoens Motto lautete „so lange ich arbeite, lebe ich“. Darin war ihm der Gmünder Saxophonist Uwe Werner ähnlich, der sein Instrument erst aus der Hand gelegt hat, als ihn sein Atem verlassen hat. Menschen wie sie und Vereine wie der kunterbunt e.V. unter seinem Vorsitzenden und „Mastermind“ Ingo Hug haben dafür gesorgt, dass der weiße Fleck auf der Kulturlandkarte bunt geworden ist.

    Da fehlt doch noch ein mittlerweile gewaltiger Magnet. Genau. Das Gmünder Festival Europäische Kirchenmusik (EKM). In diesem Jahr kann man die international renommierte Konzertreihe mit nicht nur geistlicher Musik zum 30. Mal „Mit allen Sinnen“ – so der Titel 2018 - genießen. Versprochen: Es lohnt sich! 

     Etwa zur gleichen Zeit, als das Aalener Jazzfest Fahrt aufnahm, hat die Stadt Oberkochen zusammen mit Leitz-Chef Dr. Dieter Brucklacher und mit Zeiss-Unterstützung 1991 die „Jazz Lights“ aus der Taufe gehoben. Das Festival im frühen Frühling schielt zwar mehr auf die Wirtschaftskapitäne und Notabeln als auf den Hardcore-Jazzer; aber Jazz in vielerlei Schattierungen findet dennoch statt. In diesem Jahr sogar mit einem „hausgemachten“ Star – dem Vorzeige-Trompeter der Bigband des Hessischen Rundfunks, Axel Schlosser. Ob ihn tatsächlich der ebenfalls Trompete spielende Bürgermeister von Oberkochen,  Peter Traub, zum Insblechpuster animiert hat, sei dahingestellt. Freuen darf sich Traub über das Eigengewächs gleichwohl.

     Denken wir regional, weitet sich der Horizont noch mehr: In Heidenheim schreiben die Opernfestspiele seit vielen Jahren eine Erfolgsbilanz fort. Im Idealfall in der spektakulären Kulisse der Ruine von Schloss Hellenstein. Idealfall ist gutes Wetter. Drücken wir die Daumen. Dieses Jahr steht Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ auf dem Programm des künstlerischen Direktors Prof. Marcus Bosch.

     Dieser Überblick muss angesichts der Fülle unvollständig sein. Nicht vergessen darf man den „Sommer in der Stadt“ – eine Ellwanger Kulturreihe, die für jede Menge echten Spaß sorgt, wenn andernorts die Macher im Urlaub sind. Vielleicht erklärt das, weshalb so viele Ellwanger gern zuhause Ferien machen – und sich dann mit den Gästen um Plätze „streiten“ müssen. Auch so ein Phänomen: Je mehr man über das kulturelle Angebot nachdenkt, umso mehr fällt einem ein. Wie das Ostalb Jazz Orchestra (OJO). Seine Wiege stand ebenfalls in der „Perle des Virngrunds“. Zu Beginn des Jahres hat die von Gerhard Ott geleitete famose Big Band ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. 

    Und wir haben noch nicht von den Kleinkunststätten, den Kunstvereinen, den Tanzformationen wie den atemberaubenden „Urban Dancers“ von „Keraamika“ oder der Laientheaterszene gesprochen. Wahrlich ein weites Feld. Diese Region der Talente und Patente vibriert auch von Kultur! Alle, die wir nicht erwähnt haben, bitten wir um Nachsicht. Bitte melden. Vielleicht gibt’s ja - so meine Empfehlung - eine eigene Story in dem Magazin „Go For More“ – mehr Kultur geht kaum! 

Wolfgang Nußbaumer 

       

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Der Groß-Osmane

Mit der Kurdenstadt Afrin haben die Osmanen des Sultans Erdogan kurzen Prozess gemacht. Der "heilige Krieg" war ein Blitzkrieg. Wer den Angriff auf die so genannten "Terroristen" nicht überlebt hat, ist dafür als "Märtyrer" geadelt worden. Ob ihn Allah auch mit 90 Jungfrauen beglückt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Weitaus länger, 40 Tage, mussten sich die Truppen seines geistigen Ahnen, des Kriegsministers und eines der Hauptverantwortlichen am Völkermord, Enver Pascha, abmühen, bis sie den Berg Musa Dagh erobert hatten. Dort hatten rund 4000 Armenier Zuflucht gesucht. Sie sind von einem französischen Kriegsschiff gerettet worden. Franz Werfel hat in seinem großen Roman das historisch belegte Ereignis fiktional verarbeitet. Was dem einen die Armenier waren, sind dem anderen die Kurden. Doch es geht nicht um die in Deutschland als Terrororganisation verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK. Erdogan will seinen Traum von einem großosmanischen Reich verwirklichen. Und das mit allen Mitteln. Er scheut nicht einmal davor zurück, unter falscher Flagge zu segeln. Nichts anderes ist das religiös verbrämte Gesülze um den Dschihad. Es geht ausschließlich um Macht.

    In diesem Zusammenhang würde man gerne ein klares Wort zum Beispiel des Aalener DITIB-Moscheevereins hören. Dessen Problem ist indes, dass er wie die anderen DITIB-Gemeinden letztlich vom Amt des türkischen Ministerpräsidenten seine Direktiven erhält. Er hängt am Tropf des staatliche Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei Dyanet. Dass die von dort auf die Reise in die DITIB-Moscheen geschickten Imame keine liberalen Kosmopoliten sein dürften, liegt auf der Hand. Wenn der Islam zu Deutschland gehört, was angesichts der Millionen türkischstämmiger Menschen hierzulande außer Frage steht, darf man von dessen religiösen Institutionen Antworten zu drängenden Fragen erwarten. Zum Beispiel, was sie zu Recep Tayyip Erdogans Invasion meinen. Vermutlich ist diese ebenso rechtens, wie der Völkermord an den Armeniern eine böswillige Erfindung sei.

Wolfgang Nußbaumer     

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Die Schere

Nennen wir sie Marita. Sie ist Mitte 40 und arbeitet seit 25 Jahren als Erzieherin in einem kirchlichen Kindergarten. Jetzt hat sie ihr Hausarzt krank geschrieben. Wegen akuter Erschöpfung.

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