Nachgehakt

Steinzeit in der Republik

Welches Gefühl steigt in Ihnen auf bei dieser Situation: Sie wollen ganz selbstverständlich kurz einen Blick in öffentliche Ausstellungsräume werfen, die nach alter Tradition auch über die Mittagszeit zum Besuch einladen. Und stehen plötzlich vor verschlossener Tür.

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Nicht mehr als ein "Vogelschiss"

Was haben der AfD-Demagoge Alexander Gauland und die Typen gemeinsam, die Kunstwerke aus Bronze rauben? Darum soll es im Folgenden gehen.

   Wir erinnern uns. Der einstige konservative CDU-Mann und jetzige Neo-Nationalist hat unlängst wieder mit einer widerlichen Geschichtsklitterung für negative Schlagzeilen gesorgt. Das Hitler-Deutschland sei nicht mehr als ein „Vogelschiss“ in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte. Erstens kann man von einer genuinen deutschen Geschichte eigentlich erst seit dem Deutschen Kaiserreich sprechen. Das römisch-deutsche Königreich, das Gauland vermutlich im Sinn hatte, war nicht mehr als ein einzelstaatlicher Flickenteppich. Erfolgreich? Es genügt an den Dreißigjährigen Krieg zu erinnern. Nach einer auch in Wikipedia verbreiteten Angabe sind etwa 40 Prozent der deutschen Landbevölkerung des  Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation dem Krieg und den Seuchen zum Opfer gefallen. Von den Opfern der nachfolgenden Kriege gar nicht zu reden.

    Das Tausendjährige Reich kann der Mann mit dem passenden Namen wider Erwarten nicht gemeint haben. Der „Vogelschiss“ hat zwar nur zwölf unglückselige Jahre gedauert, aber Schaden an Land, Leuten und Seelen für 1000 Jahre angerichtet. In seinen rassistischen und rückwärtsgerichteten Brandreden hat dieser Brandstifter mit dem Biedermannaussehen sich gerade mal im Umfang der Vogelnotdurft von dieser erfolgreichen NS-Vernichtungsmaschinerie distanziert, die zig Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

    Während sein Mitvorsitzender Jörg Meuthen jede Menge Kreide frisst, um seine Äußerungen zu tarnen, agiert Gauland als Wolf im Wolfspelz. Als Einzelgänger könnte man ihn vielleicht tolerieren; da er jedoch an der Spitze eines großen Rudels agiert, muss man ihn und seine Sippschaft einzäunen. Nicht mit schwedischen Gardinen, sondern mit demokratischen Argumenten und rechtsstaatlichen Mitteln. Die AfD und ihre populistische Straßenarmee Pegida tragen unverhohlen autokratische Züge. Presse- und Kunstfreiheit sind ihnen suspekt - und die Meinungsfreiheit halten sie nur deshalb hoch, weil sie unter deren Deckmantel ihr braunes Süppchen kochen können. Kein Haar sind diese selbst ernannten Islamkritiker besser als der islamische Autokrat Erdogan.

     Im Unterschied zur AfD gilt Bronze mit einem Kupferanteil von mindestens 60 Prozent als wertvoll. Deshalb sind Skulpturen aus diesem Material in den Fokus böser Buben geraten, die sonst Kupferrohre abschrauben. Im Raum Heilbronn haben sie einige Kunstwerke mit roher Gewalt vom Sockel geholt. Es steht zu befürchten, dass sie bereits eingeschmolzen und im Schrotthandel versilbert worden sind.

     Kunst im öffentlichen Raum dient der Identifikation. Indem sie gefällt – oder auch nicht - und ein Zeichen für deren Freiheit setzt, wie sie nur ein demokratisches Gemeinwesen garantieren kann. Wer also diese Werke stiehlt, schändet damit zugleich Symbole unserer Wertegesellschaft. Das ist mehr als ein Bubenstück. Sollte man die Täter und/oder Täterinnen erwischen, sollte man sie zusammen nachsitzen lassen. Damit sie gemeinsam die Werte büffeln, die sie aus Gier oder ideologischer Verblendung mit Füßen treten. Sie das Grundgesetz auswendig lernen lassen – was für eine schöne Vorstellung.

Wolfgang Nußbaumer    

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Der Groß-Osmane

Mit der Kurdenstadt Afrin haben die Osmanen des Sultans Erdogan kurzen Prozess gemacht. Der "heilige Krieg" war ein Blitzkrieg. Wer den Angriff auf die so genannten "Terroristen" nicht überlebt hat, ist dafür als "Märtyrer" geadelt worden. Ob ihn Allah auch mit 90 Jungfrauen beglückt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Weitaus länger, 40 Tage, mussten sich die Truppen seines geistigen Ahnen, des Kriegsministers und eines der Hauptverantwortlichen am Völkermord, Enver Pascha, abmühen, bis sie den Berg Musa Dagh erobert hatten. Dort hatten rund 4000 Armenier Zuflucht gesucht. Sie sind von einem französischen Kriegsschiff gerettet worden. Franz Werfel hat in seinem großen Roman das historisch belegte Ereignis fiktional verarbeitet. Was dem einen die Armenier waren, sind dem anderen die Kurden. Doch es geht nicht um die in Deutschland als Terrororganisation verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK. Erdogan will seinen Traum von einem großosmanischen Reich verwirklichen. Und das mit allen Mitteln. Er scheut nicht einmal davor zurück, unter falscher Flagge zu segeln. Nichts anderes ist das religiös verbrämte Gesülze um den Dschihad. Es geht ausschließlich um Macht.

    In diesem Zusammenhang würde man gerne ein klares Wort zum Beispiel des Aalener DITIB-Moscheevereins hören. Dessen Problem ist indes, dass er wie die anderen DITIB-Gemeinden letztlich vom Amt des türkischen Ministerpräsidenten seine Direktiven erhält. Er hängt am Tropf des staatliche Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei Dyanet. Dass die von dort auf die Reise in die DITIB-Moscheen geschickten Imame keine liberalen Kosmopoliten sein dürften, liegt auf der Hand. Wenn der Islam zu Deutschland gehört, was angesichts der Millionen türkischstämmiger Menschen hierzulande außer Frage steht, darf man von dessen religiösen Institutionen Antworten zu drängenden Fragen erwarten. Zum Beispiel, was sie zu Recep Tayyip Erdogans Invasion meinen. Vermutlich ist diese ebenso rechtens, wie der Völkermord an den Armeniern eine böswillige Erfindung sei.

Wolfgang Nußbaumer     

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Die Schere

Nennen wir sie Marita. Sie ist Mitte 40 und arbeitet seit 25 Jahren als Erzieherin in einem kirchlichen Kindergarten. Jetzt hat sie ihr Hausarzt krank geschrieben. Wegen akuter Erschöpfung.

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