Musikalische Hochspannung Empfehlung

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Jörg Halubek und sein Ensemble freuen sich über den hoch verdienten Beifall. Jörg Halubek und sein Ensemble freuen sich über den hoch verdienten Beifall. Foto: -uss

Zwei Stunden musikalische Hochspannung hat der Barockspezialist Jörg Halubek mit seinem aus Orchester und Vokalensemble bestehenden „Il Gusto Barocco“ mit der Aufführung von Bachs „Johannespassion“ dem EKM-Publikum in der einmal mehr ausverkauften Augustinuskirche zum Abschluss beschert.

   Schon im ersten der Chöre  „Herr, unser Herrscher“ gewinnt das Ensemble die Zuhörerinnen und Zuhörer durch das exzellente Zusammenwirken der brillanten Stimmen und Instrumentalisten. Zugleich signalisiert es das positive Grundmuster dieser nach dem Lieblingsjünger des Gekreuzigten und seinem Evangelium benannten Passion. Halubek inszeniert diese Leidensgeschichte als geistlich-geistvolles Musiktheater.

   In dessen Mittelpunkt steht der Evangelist, dessen Mammutaufgabe der hochgewachsene Tenor David Szigetvári in seinem Sprechgesang mit höchster Präsenz und Gestaltungskraft bewältigt. Machtvoll und selbstbewusst bis hinein in den Tod seiner Gestalt Jesus erstrahlt der volltönende Bass von Julian Popken. Etwas schlanker aber nicht weniger ausdruckstark gibt Dominik Wörner dem Pilatus musikalisches und gestisches Profil. Philipp Niklaus gibt mit seiner souverän geführten klaren Tenorstimme den Arien – besonders eindrücklich in der Selbstanklage des Petrus „Ach mein Sinn“ - klangvollen Ausdruck.

   Sein Pendant im hohen Fach ist der strahlende, voll tönende Sopran Andrea Browns.  Ihr Arien „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“ und das wahrlich zu Herzen gehende „Zerfließe, mein Herze“ zählen zu den vokalen Glanzpunkten des Abends. Wobei den begleitenden Instrumenten wie den Traversflöten, Oboen und der von Daniele Caminiti gleich rechts neben dem Cembalo des Dirigenten gezupften Laute ein hohes Verdienst zukommt.

   Was soll man herausheben, ohne irgendein anderes Teil dieser passionierten Aufführung zu erniedrigen? Vielleicht neben dem schon erwähnten Eingangschor und dem Chor „Jesu, der du warest tot“ im Zusammenspiel mit dem Bass in dessen Arie „Mein teurer Heiland“ die Turbae-Einwürfe als Aufruhr der Stimmen im Kontext von Gefangennahme, Verhör („Nicht diesen, sondern Barrabam!“) und Kreuzigung.

   Schließlich die Choräle. So viel zu Tränen rührenden Trost spendet „Er nahm alles wohl in acht“ – und der Schlusschoral „Ach Herr, lass dein lieb’ Engelein“ bettet die wunde Seele in Samt. Nach einer kurzen Ruhepause sind die Seelen hellwach und danken mit einem von Bravo-Rufen durchtränktem Beifallssturm.

Wolfgang Nußbaumer

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