Kultivierter kann man nicht singen Empfehlung

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Unter der Leitung von Prof. Hannelotte Pardall singt der Deutsch-Deutsche Kammerchor in der Stadtkirche Ellwangen. Unter der Leitung von Prof. Hannelotte Pardall singt der Deutsch-Deutsche Kammerchor in der Stadtkirche Ellwangen. Fotos: -uss

Deutsch-Deutscher Kammerchor? Klingt seltsam 28 Jahre nach dem Fall der Mauer. Gemeinsame Vergangenheit kann indes verbinden.

   1989 hatten Studierende der Kirchenmusikschulen in Halle an der Saale und in Herford eine gemeinsame Konzertreise durch die noch existierende DDR geplant. Ein Jahr später gab’s den Kommunistenstaat nicht mehr, dafür unbeschwertes freies Singen. Eine tolle Sache, die man unbedingt weiterpflegen musste. Wie Donnerstagabend in der Stadtkirche Ellwangen.

    Was haben wir dort schon für Wahnsinnschöre gehört, mit Orchester und a cappella. Kann es überhaupt noch besser gehen. Es kann. Die 1985 entstandene herrliche Harmonienschichtung „Adore te“ des Norwegers Knut Nystedt weht wie ein Engelshauch über die Zuhörerinnen und Zuhörer hinweg. Ganz in Schwarz gekleidet, haben sich die Sängerinnen und Sänger an den Seiten und im Altarraum aufgestellt. Was sie singen ist pures Licht, das vom Fortissimo des Sonnenleuchtens in die Bassdämmerung versinkt.

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    Zu Olivier Messiaens ganz verinnerlichter,  ja, vergeistigter Komposition „O sacrum convivium“ versammelt sich der Chor im Altarraum. Seriöser, kultivierter kann man das Stück kaum singen. Dafür sorgt schon Prof. Hannelotte Pardall, die das fast 40köpfige Kollektiv seit seiner Gründung leitet. Jedes Jahr trifft es sich zu einer zweiwöchigen Probephase, der sich sechs Konzerte anschließen.

    Auch beim letzten dieser Konzerte sitzt der weltweit gefragte Konzertorganist Stefan Kießling an der Stadtkirchenorgel. Wie ein Sprecher des Chores erläutert, hat sich der Virtuose, inspiriert von Ort und Instrument, für die sechs „Schübler-Choräle“ von Johann Sebastian Bach entschieden. Er spielt sie erfrischend klar in zwei Blöcken vor der überraschend temperamentvoll vorgetragenen fünfstimmigen Motette „Jesu, meine Freude“ des Thomaskantors und der das Konzert abschließenden Motette für sechsstimmigen gemischten Chor „O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens“. Diese hat der Frankfurter Hochschullehrer Kurt Hessenberg 1946 noch unter dem deutlich hörbaren Eindruck des vergangenen Weltkriegs komponiert. Eine moderne, differenzierte Tonsprache voller Emotion, die gefällt, ohne gefällig zu sein.

    Für den reichen Beifall bedanken sich der Chor und seine sympathisch bescheidene Leiterin, die am liebsten an der Seite steht, mit einem harmonischen Kleinod. 

Wolfgang Nußbaumer

        

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