Bildhafte Klänge Empfehlung

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Bildhafte Klänge Isabelle Demers/EKM 2018

Zu Recht  hat das Gmünder Kulturbüro das Orgelkonzert der kanadischen Organistin Isabelle Demers als einen Höhepunkt im Programm des Festivals Europäische Kirchenmusik (EKM) angekündigt.

   Die Orgelvirtuosin hat am Freitag das Publikum im Heilig-Kreuz-Münster mit Auszügen aus Werken von fünf Komponisten des 17. bis 20. Jahrhunderts zu enthusiastischem Beifall hingerissen

   Isabelle Demers eröffnet ihre Darbietung mit drei Sätzen aus Henri Mulets (1878-1967) „Esquisses byzantines“ (Byzantinische Skizzen): Im „Nef“ (Kirchenschiff) führt sie die Zuhörerinnen und Zuhörer mit sensiblem Mezzoforte an die Pforten eines Kirchenschiffs - von Mulet intendiert an die der Basilika Sacré-Cœur de Montmartre - und lässt sie in hellen und dunklen Akkorden die majestätische Größe des „Nef“-Kirchenschiffs erahnen. Das Mezzopiano gegen Ende des ersten Satzes bildet einen gelungenen Übergang zur fast verspielt wirkenden “Rosace“ (Rosette) und ihrem melodiös anmutenden, wiederkehrenden Grundthema. Dynamisch, eindringlich und nahezu beschwörend erklingt der dritte Satz „Tu es petra“, der die Botschaft „Du bist Petrus, der Fels“ des Matthäus-Evangeliums eindrucksvoll in bildhaften Klang umsetzt.

   Klar und meisterlich präsentiert die Orgelvirtuosin Bachs Triosonate Nr. 2 c-Moll (BWV 526) mit den Sätzen Vivace, Largo und Allegro. 
Mit den Auszügen „Les ressuscités et la lumière de vie“ (Die Auferstandenen und das Licht des Lebens) und „Institution de l‘Eucharistie“ (Einsetzung des Abendmahls) aus dem Zyklus „Livre du Saint-Sacrement“ (Das Buch vom Heiligen Sakrament) von Olivier Messiaen erlebt der Zuhörer eine klangliche Gefühlswelt zwischen dissonanter, polyphoner Zerrissenheit bis zu harmonisch-meditativer Ruhe.


   Wenn Isabelle Demers auf der Klais-Orgel ihre wunderbare und originelle Transkription zu Friedrich Smetanas „Vltava“ (Die Moldau) erklingen lässt, dann ist „mit allen Sinnen“ der Flusslauf der Moldau, die Landschaft und die fröhliche und majestätische Stimmung aus den Orgelpfeifen zu hören und zu spüren. 
Nach dem heiter-anmutigen „Ständchen im Morgengrauen“, der „Aubade“ von Louis Vierne, intoniert sie das berühmte „Glockenspiel des Big Ben des Westminster Palace“, das den französischen Meisterorganisten zu der Fantasie „Carillon de Westminster“ inspiriert hat, mit allen Registern und ausdrucksstarker Kadenz. Das sichtlich bewegte Publikum, das es nicht mehr auf den Sitzbänken hält, belohnt Isabelle Demers mit Bravorufen.  Eine kleine Zugabe ist das Dankeschön der fantastischen Orgelvirtuosin aus Kanada.

 

Katharina Linke 

 

 

 

 

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