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Malerei in Klang und Form

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Kurt Laurenz Theinert spielt auf dem Licht-Klavier.. Kurt Laurenz Theinert spielt auf dem Licht-Klavier..
Die Johanniskirche war Austragungsort für eine synästhetische EKM-Performance von Licht und Ton.
   So wurde das Motto des diesjährigen Kirchenmusikfestivals beim Wort genommen. Hör- und Sichtbares verschmolz zu einer Transformation in Raum und Zeit.
   Der Lichtkünstler Kurt Laurenz Theinert zauberte mit seinem Visual Piano ein 360-Grad-Panorama an Decke und Wände. Die Johanniskirche wuchs zu einer mächtigen Kathedrale. Streifen, Linien, Gitternetze überzogen das Mauerwerk. Lichtbalken strebten nach oben wie bei einem Feuerwerkskörper. Alles ist in ständiger Bewegung. Die Projektionen werden bunt. Erst verhalten mit einzelnen gerade noch zu erahnenden Abtönungen, dann erstrahlt ein Blau.
   Der Komponist Fried Dähn gestaltet Bachs Präludium, Sarabande, Menuett und Gigue um. Die Barockmusik wird mit elektronischen Klängen interpoliert. Er spielt auf dem akustischen Cello, dann wieder auf einem E-Cello, das er mittels elektronischen Einspielungen zu neuen klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten reizt. Mal meditativ, mal experimentell mit Drum- und Bass-Einlagen.
   Ein Säuseln verstärkt sich zu einem Windrauschen. Das Lichtpiano erwacht und zeichnet graue Ornamente auf die Kapitelle der Säulen. Organisch wirkende amöbenartige Formen breiten sich über die Wände aus. Zwei Töne schälen sich heraus. Wolkenartige Flächen überziehen die Decke. Linien färben sich wie in einem modernen abstrakten Gemälde. Ein rötlich getünchtes Stoffmuster erscheint kurz, um sich dann wieder in blau-gelbe Linien und Gitterstrukturen aufzulösen.
   Disharmonisch schrille Töne setzt die Lichtorgel in helle eckige  Linien mit spitzen Winkeln um. Gebannt blickt der Zuschauer auf das sich ständig ändernde Spektakel. Großartig ist der Sternenhimmel, der den Raum überwölbt. Einzelne weiße Lichter vervielfachen sich zu Lichterketten bis den Betrachter eine weihnachtlich anmutende Kathedrale umfängt. Perkussive Knalllaute verbinden sich mit Akkorden. Dann spielt Dähn auf dem akustischen Cello meditativ, während das Kirchenschiff in Dunkelheit versinkt.
   Gitterstrukturen tanzen. Atommodelle scheinen auf, Zellkerne zeigen knotenartige Verdichtungen, Netze werden ausgeworfen. Die Drahtgitter zittern, tanzen, Maschendraht überzieht die Mauern, Stahlseile erscheinen. Dann noch einmal eine Farbenflut, die mit vollem Griff in die Farbtöpfe alles auswirft. Farbbalken imitieren Nationalflaggen. Ein Dauerton lässt die Lichter am Firmament aufgehen. Damit kommt die experimentelle Geräuschkulisse zum Ende. Auch die unglaublich vielfältigen Lichteindrücke erlöschen, bevor die Besucherinnen und Besucher ermattet Beifall spenden.
 
Helga Widmaier
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