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Idealer Rahmen für Engelschöre Empfehlung

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Idealer Rahmen für Engelschöre

Mit eindrucksvollen Solisten ist das französische Ensemble „La Rêveuse“ in der voll besetzten Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd aufgetreten.

   Benannt hat sich das Ensemble nach einer Komposition des Komponisten Marin Marais, la rêveuse - die Träumerin. Seit seiner Gründung durch Florence Bolton und Benjamin Perrot widmet sich das solistische Kammermusikensemble dem künstlerischen Erbe des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Zeit des Umbruchs und der Restaurierung der Monarchie in England unter dem katholischen König Jakob II brachte künstlerische Ideen und musikalische Experimente hervor. Zuvor war England unter Oliver Cromwell puritanisch bestimmt. Nun erlebte auch die englische Gambentraditon eine Renaissance und lockte Musiker vom europäischen Kontinent nach England.
   Dieser Tradition verpflichtet fühlt sich Florence Bolton. Sie spielt auf einer Gambe, die einem alten Instrument aus Norddeutschland nachgebaut ist. Der Lautenspieler Benjamin Perrot hat sich ebenfalls einem alten Saiteninstrument verschrieben, der Theorbe, einer Langhalslaute, die erweiterte klangliche Möglichkeiten und mehr Saiten aufweist. Ein bedeutender Lautenspieler der Renaissancezeit, Hans Judenkönig, 1450 geboren, stammt sogar aus Schwäbisch Gmünd, wie Klaus Eilhoff in seine Einführung eingeflochten hat.
   Die beiden barocken Instrumente, unterstützt von Cembalo und Orgel als Basso continuo mit Clément Geoffroy, intonieren Instrumentalkompositonen des mährischen Komponisten Godfrey Finger, den die musikalische Blütezeit auch nach England gezogen hatte. „A Ground“ und „Divisions“ No. 8 in G-Dur setzen Instrumentalakzente zwischen den vokal bestimmten Liedern Purcells.
   Die barockisierte Saalkirche bildet den perfekt passenden Rahmen für Henry Purcells „Devotional songs and Anthems“. Die anspruchsvollen Stücke verlangen den Sängern große Professionalität ab. Mit „Hear me , o Lord, the Great support“ erfüllen drei Männerkehlen unnachahmlich eindrucksvoll den Raum. Die Verse des Psalms wechseln zwischen den beiden Tenorstimmen von Sean Clayton und Marc Mauillon und dem Bass-Bariton von Renaud Brés. Der Sprachrhythmus setzt sich in Musik um. Die Emotionen der Texte bringen die vielfältigen klanglichen Varianten der Stimmen voll zur Geltung.
   Den Interpreten wird in der spärlichen Notation der Barockmusik viel Spielraum zur Improvisation gelassen. Das gilt sowohl für die Instrumentalisten als auch für die Vokalisten. Das Ergebnis ist ein künstlerisch einheitliches Gesamtwerk. Tod und Leiden durchziehen allgegenwärtig die Texte, die Purcell in Töne gesetzt hat. „O, I’m sick of life“ drückt das Lebensgefühl des Barock aus. Mehrstimmig  ertönen die nach Erlösung im Tod flehenden Klagen in „when on my sick bed I languish“.  Sehnsuchtsvoll interpretiert Marc Mauillon den Palmtext „The Aspiration: How long , Great God“. Der Bass-Bariton Renaud Brés bringt ein raumfüllendes „Hosanna to the highest“ zu Gehör. Von der Kanzel jubelt die Tenorstimme von Sean Clayton und ruft die Engelschöre herab. Gemeinsam singen die drei Vokalisten nach der Abendhymne von Sean Clayton „I was glad“. Mit „Glory to the father“ entlässt das eindrucksvolle Ensemble seine Zuhörer in die warme Sommernacht. 
 
Helga Widmaier
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