Diese Vierte hallt noch lange nach Empfehlung

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Burkhard Wolf hat sein großes Orchester fest im Griff. Burkhard Wolf hat sein großes Orchester fest im Griff. Fotos: -uss

Fast wäre Burkhard Wolf die Quadratur des Kreises gelungen.

Die mit 80 Minuten veranschlagte 4. Sinfonie von Anton Bruckner könne etwas länger dauern, hatte der Dirigent des Universitätsorchesters Ulm den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern am sonnigen Sonntagnachmittag in der Stadtkirche Ellwangen angekündigt. Wegen des Nachhalls in dem barocken Schmuckstück. 

    Tatsächlich hat es Wolf mit seinen über 80 Instrumentalisten in sage und schreibe 73 Minuten geschafft. Unglaublich, mit  welcher Transparenz sie in diesem immer wieder wild aufschäumenden Klangmeer  den Fokus auf die funkelnden Melodiefragmente und Motivfetzen richten, die  inselgleich auftauchen. Bevor die Wellenberge sie wieder verschlingen. Dass sich der Dirigent dabei noch besagten Nachhall als Verstärker zunutze macht, grenzt an Magie.

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       Das gewaltige Werk, dem Anton Bruckner selbst den Beinamen „Romantische“ gegeben hat, rauscht jedoch als ein weit voraus weisendes stilistisches Konglomerat in die Ohren; sieht man einmal von der Präferenz für Hörner und der spielerischen Verschränkung von Dur und Moll ab. Unter Wolfs kraftvoll-deutlichem Dirigat nimmt der mächtige Klangkörper gleich Fahrt auf. Er braucht kaum Zeit, um sich mit dem schwierigen Raum kurz zu schließen und Streicher und imposantes Gebläse in eine staunenswerte Balance zu bringen. Umso markanter gelingen die rhythmischen Akzente des jungen Paukers.

      Ohnehin arbeiten die Studierenden, Angestellten und Professoren der Ulmer Uni, die in diesem Orchester ihrem Hobby frönen, die mitunter schroffen Gegensätze zwischen wirkungsvollem Crescendo und in der Stille verhauchendem Piano wie im heiklen Andante nahezu makellos heraus. In den langsamen Sätzen offenbart sich die wahre Qualität. Die gemeinsame Probenarbeit auf Schloss Kapfenburg an den Tagen zuvor hat sich offensichtlich gelohnt.

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    Natürlich können diese Könner auch zügige dynamische Ausschläge wie im fiebrigen, aber keineswegs hektisch interpretierten 3. Satz. Ganz zu schweigen vom Finale, in dem quasi Smetanas Moldau in die walzerselige Donau fließt. Ernst und heiter werden eins in der Majestät der Weite, der unergründlichen Tiefe des Klangmeers. Wieder aufgetaucht aus diesem symphonischen Traum, hat sich das Publikum die Hände wund geklatscht. 

Wolfgang Nußbaumer  

    

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