Ein Traum von einem Archiv Empfehlung

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Archivar Axel Nagel mit seinen Mitstreitern Matthias Kehrle an Bass und Keyboards und Thomas Winger am Schlagwerk. Archivar Axel Nagel mit seinen Mitstreitern Matthias Kehrle an Bass und Keyboards und Thomas Winger am Schlagwerk. Fotos: -uss

Im Archiv von Axel Nagel gibt es nichts, was es nicht gibt.

   Oder, alles, was es gibt. Von Rudi Carell bis zum Godfather of Soul, James Brown, vom Wiener Nuschler Hans Moser bis zum beißenden Boxer Mike Tyson. Sie alle sprechen und singen durch den mit allen musikalischen Wassern gewaschenen Gmünder Gitarristen, Sänger und Thereminvirtuosen zum Publikum im voll besetzten Casino der VR-Bank Ellwangen.

    Nicht allen haben die zum Auftakt der traditionellen Veranstaltungsreihe „Sommer in der Stadt“ aufgetischten Archivalien gefallen. Nach der Pause blieben einige Stühle leer. Das überrascht im Grunde nicht. Axel Nagel, Matthias Kehrle an Bass und Keyboards sowie der Jazzdrummer Thomas Winger am reich bestückten Schlagwerk sind zumindest mit diesem herrlich abgedrehten Improvisationsprogramm nicht mehrheitsfähig.

     Wer ein konventionelles Konzert erwartet hat, muss den Vorschautext nicht richtig gelesen haben. „Kleinkunstprogramm“ steht da. Nichts, was man mit dem Namen Nagel verbinden würde. Tatsächlich hat das eingespielte Trio mit seiner Archiv-Auslese schon diverse Auftritte absolviert. Ohne Netz und doppelten Boden, nichts geprobt, versichert der einstige Sänger der legendären „Cocker-Band“, Andreas Hunke, in seiner Anmoderation.

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    Alles hängt von der Tagesform des „Mastermind“ ab, Axel des Unberechenbaren. Was fällt ihm ein unter seinem Hut, was aus, und wie? Selten so gelacht, selten sich auf so hohem Niveau amüsiert. Ein musikalischer Spaß für Feinschmecker, die auf ausgefallene Gewürze stehen. B.B. King, Michael Jackson, Joe Cocker (logisch), John Lee Hooker, Ian Anderson (zu erkennen an der Querflöte; indes stand Nagel fest auf beiden Beinen, die Schwingungen hätten ihn sonst von der engen Bühne katapultiert), Ray Charles („Hit the road Jack“), Peter Hinnen, bitte wer? („Auf meiner Ranch bin ich König“), „The Doors“ (Riders on the Storm“), „Rumpelstilz“ („Kiosk“) – und dann und wann ein Bauchredner-Intermezzo mit einem Huhn, Motto „Emil (Steinberger) trifft Federvieh“. 

     In diesem Archiv rangelt sich Dada mit Gaga – und ab und zu klingelt das Telefon. Dann muss Matthias Kehrle ran. „Alles noch ein bisschen verhalten“, antwortet er dem Anrufer mit einem Blick in den schon haltlosen Saal. Dort rechnet man inzwischen mit allem, weil nichts aufhört, das so begann. Das „Kiosk“ verwandelt sich in irrwitzigen Funk, das Chanson rockt ab. Der rasende Leerlauf ist Methode, das Auge des Hurricans schielt.

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    Ab und zu schlägt Axel Nagel ein Buch auf. Da ist vieles eingetragen. Gedichte. Von Ernst Jandl, Robert Gernhardt und vielen anderen – ein lyrisches Archiv. Manchmal greift der Sänger zu, wenn das Poem dem momentanen Einfall auf weitere Sprünge hilft. Mehr als ein Transmissionsriemen für die sprühende Fantasie des Mannes mit dem Hut sind die Verse nicht. Kaum rezitiert, nimmt sie ein Blues mit auf die Reise ins Nirgendwo. 

    Da selbst dort die Zeit ein Faktor ist, knallt Axel Nagel das schon erwähnte Huhn auf den Boden. Die never ending story hat ein Ende. Mit dem Soul-Klassiker von Otis Redding „Sittin’ on the dock oft he bay“ schließt das Trio die Tür zum Archiv Nagel. Und man wird das Gefühl nicht los, erst in einen Ordner geblickt zu haben.

   Info: Solo tritt Axel Nagel am Donnerstag, 13. September, 20 Uhr, im Café Omnibus in Ellwangen auf; www.axelnagel.com 

Wolfgang Nußbaumer 

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